5.11., von Praia a Mare nach Foligno
Kalt! Der Wind findet zuverlässig auch den kleinsten Spalt zwischen Kragen und Helm oder in die Ärmel hinein, aber nach zwei Stunden traut sich langsam die Sonne über die Hänge und dann geht´s. Das Navi schickt mich ins Landesinnere, was sich gut trifft, dort wäre ich sonst eh niemals vorbei gekommen. Zeitlose Bergdörfer mit grauen Fassaden, erreichbar nur über steile Straßen, die bei Schneefall automatisch gesperrt werden. Wof bröckelt dann auf einen Dreißiger ab. Aber auch hier schenkt man sich nix, wenn es die Verhältnisse zulassen, sogar der Schulbus brettert dann mit Achtzig statt Dreißig übers Kopfsteinpflaster.
Auch schon vor Jahren aufgegebene Wege hält das Programm für mich bereit. Wenn das unter Auslassung der Autobahn der beste Weg nach Wien ist, ist mit Besuchern aus dieser Ecke nicht zu rechnen. So steil und kaputt, mit Erde, Ästen und Blättern bedeckt und übersät mit Schlaglöchern. Ein großer brauner Hund ist darüber so perplex wie ich, will mich aber trotzdem beißen. Er kommt von schräg vorne und weiß nicht so recht, ob er das Moped oder mich attackieren soll. Eine enge Linkskurve zwingt mich dazu, ihm meine offene Flanke zu präsentieren, aber mit meinem Auslegerhaxen kann ich ihn auf Distanz halten, bevor ich Stoff geben kann. Außer dem Köter sind alle nett zu mir. Daumen hoch, hup hup. Einer will mir gar ein Bier zahlen und auch die erste Polizeikontrolle der Reise verläuft glimpflich. Ich bin Stefsechef und fahre von Tunesien zurück nach Österreich, der Bulle klopft mir nur anerkennend auf die Schulter, Complimenti, Arrivederci!
Nach elf Stunden am Bock steige ich klamm ab und suche wie immer meine Unterkunft. Keine Türnummer, kein Schild, warum, ihr Cazzi? In ein rosa ausgemaltes und eingerichtetes Kinderzimmer verfrachtet mich ein mit seiner kleinen Enkelin abgelenkter und überforderter Opa, soll mir recht sein.
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