Nach Tunesien mit dem Moped, 2026
Von Wien nach Bad Bleiberg
Um sieben Uhr morgens starte ich schon mein Gasrad Wheel of fortune, der Tagesplan ist ambitioniert. Die erste Etappe der Reise nach Tunesien sollte noch vor Einbruch der Dunkelheit in Bad Bleiberg nahe Villach enden und ob Wof mit seinen überschaubaren 125 Kubik der Aufgabe gewachsen ist, muss sich erst weisen. Was will er mit der schwachbrüstigen Mopette, könnte sich die geneigte Leserin jetzt fragen, doch sei ihr gesagt: Mehr gibt der Zweiradfuhrpark momentan einfach nicht her. Alles andere wurde schon zu Schanden gefahren oder sonst wie unbrauchbar gemacht. Außerdem wurde Wof noch mit zahlreichen Features ausgestattet. Auf brandneuen Reifen schwebe ich quasi durch die Landschaft, Reifenreini sei Dank, lederne Satteltaschen mit peinlichen Fransen vom H1 sorgen zwar für massiven Stilbruch, aber zusätzlichen Stauraum. Sogar einen Ölwechsel habe ich der um kleines Geld angeschafften China-Krücke noch spendiert, dafür erwarte ich mir rund siebentausend pannenfreie Kilometer.
Bestes Wetter, aber frisch isses. Drei Pullis, zwei Jacken. Eine Radlerhose, man will es ja bequem haben, eine lange Untergatte mit zusätzlich eingenähten Knieschonern noch vom Marokkotrip, Hose, wattierte Schneehose, zwei Paar Handschuhe. Den rechten Zeigefinger halte ich zwangsweise ausgestreckt, nachdem ich mich noch am Samstag mit Hilfe eines Küchenmessers verstümmelt und ihn kurzerhand in dieser Position zugepflastert habe, das sieht besonders beim Gas geben seltsam aus. Ein paar richtige Biker werden im Laufe des Tages auf meinen vermeintlichen Gruß hin zurück winken, angewidert, aber mitleidig.
Schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt umfängt mich die schönste Landschaft. Pittoreske Idylle, einsame Beschaulichkeit. Außer mir ist fast niemand unterwegs. Der gefühlte Temperaturunterschied zwischen in der Sonne ein Päuschen machen und im Schatten fahren ist beachtlich. Übereilt ausgezogene Kleidung muss ich nicht nur einmal schon nach kürzester Zeit wieder anziehen und penibel alles schließen, was sich schließen lässt.
Vier Rehe queren nach einem winzigen Kaff, das allen Ernstes Schönbrunn heißt, die Straße. Felder erstrecken sich in alle Richtungen und fast kein Wald, in dem sie sich verstecken könnten. Kürbisse sind penibel in lange Reihen geschlichtet. Siebzig km/h sind meine bevorzugte Reisegeschwindigkeit. Langsamer, wenn´s bergauf geht oder es etwas zu sehen gibt, schneller nur, wenn ein Lastwagen im Rückspiegel zügig größer wird. Wofs Höchstgeschwindigkeit liegt bei maximal 90km/h, aber wirklich sicher fühlt sich das dann auch nicht mehr an. Ein kurzer, unfreiwilliger Abstecher auf die eigentlich verpönte Autobahn ist schrecklich, der Schwerverkehr hasst mich.
Einschlägige Plakate im Bauernland. Erdäpfelkirtag, Sauerkraut ab Hof. Disko und Tanzstadl, Ladies Night. Achtung Viehtrieb! Nach der ominösen Ortschaft Fleischessen fühle auch ich mich genötigt, Pause zu machen und mir eine Wurst einzuverleiben. In der St. Eiermark folge ich der steirischen Eisenstraße, lasse den Ötscher, das Hochkar und das Gesäuse hinter mir. Ewiger Schatten herrscht hier unter Steilhängen, es ist kalt und die Straße ist nass. Auch hier begegne ich minutenlang niemandem, röhre einsam durch finstere Tunnel. Bisweilen stinkt Mof auf lächerliche 30 Stundenkilometer ab. Als Verkehrshindernis mit mahnend erhobenem Zeigefinger muss ich schon befürchten, in den engen und steilen Kehren bald mitwatscheln zu müssen. Ena ist gewohnt schlau. Sie wird nach Neapel fliegen und nicht wie die zwei Deppen in Dumm und dümmer eingefroren mit mir durch die Berge schleichen.
Der mitunter wilden Enns folge ich und später wohl der Mur, aber bitte mich bei allen Ortsangaben nicht festzunageln, Geographie war immer ein spanisches Dorf für mich. An Admont und an Trieben kann ich mich noch erinnern und ein paar andere Pässe waren wohl auch noch dabei, Land der Berge. Irgendwo parkt ein alter Sack direkt vor mir aus, obwohl er mich sicher gesehen hat, Land der Hämmer.
In Bad Bleiberg endet der Tag. Hier gibt es Heilstollen und anderes Kurklimbim, aber eigentlich bin ich nur hier, um in die billigste Herberge Kärntens einzuchecken. Roberto Blanco, immer pleite wie Donald Duck. Zwei Stunden noch, bis die Sonne untergeht. Ein Balkon mit Blick auf den Dobratsch, aber abgeranzt ist die Bude, beachtlich. Später hallt das Klopfen von totem Fleisch durch die Wände und treibt mich in die Gaststube mit dunkelbraunen Furniertischen und gemalten Wappen an den Wänden. Undurchschaubare Geschicke haben auch ein nur französisch sprechendes Pensipärchen hierher verschlagen, die Frage nach Brot irritiert den Wirten nachhaltig. Wos woins? An Pan? Geh Elfi, kum her, de woin wos!! Mein Schnitzerl ist jedenfalls sehr in der Ordnung und schon bald darauf werden mir die Äuglein schwer, bonne nuit.
1 Kommentar:
Hermes sei dir hold und Wof soll seinem Namen gerecht werden💯🍀.Bon voyage Monsieur😘
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