Sonntag, 11. Oktober 2026

 11.10., Neapel

Wir marschieren los ohne Plan, wird sich schon etwas ergeben. Ein Markt etwa, wo viele der Besucher ohnehin schon die Kleidung tragen, die hier verkauft wird, hauptsächlich glänzende, schwarze Trainingsanzüge von Chanel oder North Face. Ein Patezettel für einen Hund klebt an einer Hausmauer. Nur sieben Jahre wurde Pablo alt und war seinem Herrchen immer ein guter Freund. Er wird ihn niemals vergessen, sie werden für immer zusammen sein.

Zwischen den engen Gassen der Altstadt hängt die Wäsche. Menschen von den oberen Stockwerken lassen Körbe oder Kübel mit Geld an Schnüren hinab, in die der Lieferant dann seine Ware legt, hauptsächlich  Lebensmittel. Auch ein Sänger behilft sich dieser Methode, um an seine Münzen zu kommen. Mit Lautsprechern verstärkt schmettert er Lieder von seinem blumengeschmückten Balkon, während seine Nachbarn langsam wahnsinnig werden. 

Aale und Muscheln in großen Bottichen werden verkauft, eine Frau an einem Tischchen legt Karten. Kirchen und Türme, oft vollständig verbaut von neueren Gebäuden, Siegessäulen, Stadttore. An einer Wand hängt das Plakat einer Heiligen, vermummt und mit Molotovcocktail in Händen, an einer anderen das Antlitz Maradonas. Der Argentinier mit der Hand Gottes ist allgegenwärtig, hat er doch ein Weilchen für Napoli gekickt. Ihm sind etliche Schreine gewidmet, Diego mit Heiligenschein, Diego am Kreuz, Madonna mia. 

Ein Krankenhaus, untergebracht in uralten Gemäuern, Kellner mit Funkgeräten, kleine verbeulte Autos, die sich durch die Massen schieben, Mopeds, die trotzdem Vollgas geben. Carabinieri auf Ducatis, Spritz-Shots für einen Euro. Gepfefferte Muscheln, vier Hochschwangere im Rudel, inflationäre Spritzlippen, am Berg und an der Küste GIGANTISCHE Festungen, Yachten und Fähren, die die umliegenden Inseln anfahren. Wir fressen und saufen unmäßig, und als die Lemuren der Nacht das Kommando übernehmen, machen wir uns durch die zugemüllten Straßen auf den Heimweg.


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