Freitag, 2. Januar 2026

 31.12., Tarrafal

Krähende Hähne, brüllende Esel, kläffende Hunde, da braucht man keinen Wecker. Vom Balkon aus schaue ich den Fischern bei ihrer nicht wirklich raffinierten Arbeit zu. Mit einem Boot bringen sie kreisförmig ein Netz aus, zwei, drei Typen mit Masken im Wasser schauen dann, ob sich etwas Brauchbares darin befindet. 

Der letzte Tag des Jahres. Ein Bursche zieht mit einem Ghettoblaster durch die Gassen, "All I want for Christmas" von Maria Carey. Der erste Bittsteller wird schon vormittags vorstellig, ob wir ihm nicht ein Gläschen Grogue ausgeben möchten. Wir starten den unausweichlichen Umdrunk in einer kleinen Bar, in der Männer Karten spielen, während im Fernseher lautlos die Deaflympics laufen. Auf stumm geschaltet, nehme ich an, aber ganz sicher bin ich mir nicht.

 Ein wilder Muskelkater plagt uns von dem bisschen Wandern gestern, als wir zum Zentrum Tarrafals weiterziehen, peinlich. Zuerst hängen sich zwei Schweizer den Feierlichkeiten an, dann ein deutsch-holländisches Pärchen, während der Dj am Platz vor dem Meer etwas verloren in seinen Möglichkeiten scheint. Inmitten von fünf Stroboskopen alias Lichtzerhackern legt er von Bamboleo bis zu Hardcore Techno alles auf, was ihm in die Finger kommt, was das stoische Publikum so hinnimmt. Dann auf einmal ist der Platz bummvoll, die Nebenprodukte eines kleinen Feuerwerkes rieseln zu einer gelungenen Instrumentalbegleitung auf uns herab, Teile davon direkt in meinen Mund, den ich scheinbar vor lauter Staunen offen hatte. Beste Laune, Rundumbeglückwünschungen und Massentanz, dann heim, dann wieder hin durch die Horden, weil mein Pulli noch beim Wirten liegt. Feliz ano novo!


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