Freitag, 12. Januar 2024

 Sorry, falsche Reihenfolge. 9.1., Puerto Morelos

Am Strand schaufeln Arbeiter das über Nacht angespülte Seegras zusammen, womit sie, so wie jeden Tag, viele Stunden lang beschäftigt sein werden. Auch ich kämpfe mit der Natur, sie hasst mich. Gestern zehn Minuten im Wasser, heute juckt´s wie gehabt. 

Im Supermarkt stehen handtuchgroße Schweinehautfetzen zum Verkauf und kleine Kakerlaken wuseln herum, da kaufen wir noch ein paar Mitbringsel ein. Für mich gibt´s später Ceviche bis zum Abwinken und Ena freut sich über plumpe Teigtascherl mit Käse, por qué no. Abends ein Strandspaziergang mit den fischenden Pelikanen und dann noch am Holzsteg sitzen, bevor wir für morgen packen. Schatzili muss schon wieder heim, die Märkte werden langsam unruhig, und ich werde weiter ziehen gen Süden und Belize.


 10.1., Puerto Morelos, Corozal

Ein langer Tag. Mitten in der Nacht auf, die Süße zum Flughafen scheiben. Fortan ist Stefsechef wieder auf sich selbst gestellt. Retour als Lone Star und das eigene Zeug packen, weiter nach Playa del Carmen, während es langsam hell und wärmer wird. Noch das Moped vom verräterischen Schlamm links säubern, dann abgeben und unbehelligt die Kaution ausfassen. Die nächste Etappe absolviere ich mit dem Bus, knappe sechs Stunden bis Chetumal nahe der Grenze zu Belice. Der sechsundsiebzig Jahre alte Amerikaner neben mir berichtet von einer kürzlichen Ufo- Sichtung seinerseits vom Dach seines Hauses aus. Mit seiner Kamera hätte er das Szenario festgehalten, aber aufgrund gefinkelter Technologie der Außerirdischen sei auf den Bildern rein gar nichts zu erkennen gewesen. Außerdem schwärmt er von einer neu entdeckten Online Dating-Plattform, wo ihm junge Damen freizügige Fotos zusenden. Mein Einwand, bei den Absendern handle es sich wohl eher um andere, weit weniger attraktive Personen, die ihn früher oder später um Kohle anhauen werden, schockt ihn nachhaltig. Der Zoll hat ihm seine THC-Bonbons konfisziert, sein Kater, eine offiziell zertifizierte Servicekatze zur Aufrechterhaltung der geistig-emotionalen Gesundheit, ist unlängst gestorben und seine Freundin hat ihn verlassen. 

Von Chetumal geht heute kein Bus mehr nach Belize und legt auch keine Fähre mehr ab. Mit zwei anderen Touris teile ich mir ein Taxi bis zur Grenze, von wo uns nach Erledigung der Formalitäten ein privater Pickup bis zum beschaulichen Küstenstädtchen Corozal mitnimmt, ein absoluter Glücksfall. Bei zwei Typen aus Missouri komme ich unter, beide zweimal geschieden, Freunde seit Kindheitstagen und seit kurzem stolze Hoteleigentümer. 

Noch Belice-Dollar abheben und zwei Kinderbiere exen, die lächerlichen Gebinde fassen gerade einmal 228ml, dann erledigt bötzn.


Dienstag, 9. Januar 2024

 8.1., Puerto Morelos

Cecilie kommt von Playa del Carmen hoch und weil es heute stürmt, verziehen wir uns ins Hinterland und besuchen den Dr. Alfredo Barrera Marin- Botanischen Garten. Geregnet hat es und der Lehmboden dort ist spiegelglatt, also haut es mich publikumswirksam beinahe aus dem Stand genau vor dem Kassahüttel mit der Mopette auf die Pfeife. Meinen Fall dämpft ein gelber "Achtung, nasser Boden!"- Aufsteller, außer Spott und Hohn und verdreckter Panier bleibt die Slapstick-Einlage in Schlapfen folgenlos.

Jeder, der in Ermangelung vollwertigerer Freizeitgestaltung schon einmal einen Botanischen Garten besucht hat, weiß so ungefähr, was ihn oder sie erwartet. Ordentlich getrimmte Pflanzen aus aller Welt, ein Schmetterlingshaus eventuell oder ein paar angelegte Teiche. Nicht so hier. Ein rund zwei Kilometer langer Pfad verläuft durch ein sumpfiges Waldgebiet. Über irgendwelche nichtssagenden Büsche und Bäume entlang des Weges wurden scheinbar wahllos mittlerweile verdreckte oder vergilbte Schilder gehängt, so in der Art: Hallo, ich bin ein Essigbaum. Ich wachse überall dort, wo man nicht schnell genug war, mich rechtzeitig auszureißen. Ich verfüge über einen Stamm, Äste und Blätter und kann mehrere Jahre alt werden.

Alle Aussichtstürme und Hängebrücken sind vollständig vermorscht und wegen Einsturzgefahr auf Dauer gesperrt. Am erstaunlichsten hier ist eigentlich die Chuzpe der Betreiber dieser kostenpflichtigen Enttäuschung. 

Regelmäßig warten dafür erbauliche und pseudospirituelle Sprüche auf den Besucher.  Listen to the sounds of the Jungle! Feel the richness of mother nature! Let the forest take root in your heart! Feel the living bark of the trees! Geh bitte, gusch jetzt. Auf den Bäumen krabbeln rote Ameisen, neben zahlreichen Gelsen die einzigen Tiere, die wir zu Gesicht bekommen. Eine der langweiligsten Stunden meines Lebens und da ist das Anschauen des TV-Testbildes in meiner Kindheit schon mitgerechnet. Kurz vor dem Ausgang entdeckt Ena dann doch noch ein Viech, ein Dasyprocta Punctata. Die Geologen unter euch können sich den gängigen Namen dieses faszinierenden Lebewesens googeln.

Abends sitzen wir auf der Gehsteigkante in der kleinen Fußgängerzone, trinken Bier und schauen Leute. Auch Ena nuckelt an einem Corona, weil der Mexikaner einfach keine akzeptablen Cocktails  machen kann oder will und Prosecco oder Wein Mangelware ist. Täglich findet sich vor fast jedem Lokal ein Musikant ein, mitunter auch mit Geige oder Harfe, aber mit Abstand der Höhepunkt des Tages ist eine zehnköpfige, tanzende  Musikkapelle in Uniform, die für eine einheimische Feiergesellschaft aufspielt. Dreckig, ungenau und mitunter falsch blasen die Trompeten, Tubas und Oboen, ein Dicker malträtiert dazu die Trommeln und Percussion, die Gesellschaft tanzt auf der Straße. Sehr, sehr geil.




Montag, 8. Januar 2024

 7.1., Puerto Morales

Die Insel der Frauen, Isla Mujeres, klingt zu geheimnisvoll, als dass man sie ignorieren könnte. Womit muss Mann rechnen? Mit karibischer New World Order? Mit gelebtem Matriarchat, einem Fall für die Gleichstellungskommission? Mit leicht beschürzten, aber doppeltdominanten Amazonen, die Chauvinisten wie mich schon von Weitem riechen können? Mit rauchenden Inselsuffragetten, mit einer lesbischen Gesellschaft, die dem anderen Geschlecht endgültig abgeschworen hat? Muß Stefsechef gar Wiedergutmachung leisten für Jahrhunderte lange Ungerechtigkeit, öffentlich Buße tun, nachdem ihn eine hammerwerfende Kampflesbe ausgemacht und überwältigt hat? Wird sich die Gefährtin im Sog der Ereignisse ebenfalls auflehnen und fortan lachhafte Zugeständnisse wie Mist runter bringen und dergleichen einfordern? 

Also raus aus den Federn schon zu Sonnenaufgang, die erste Fähre müssen wir erwischen. Klingt wild, gell, aber in Mexiko endet die Nacht erst morgens um halb Acht, das reimt sich und ist schön für Langschläferinnen wie Ena. 

Fünfzig Kilometer hoch mim Roller und endlich verstehe ich, warum alle den Helm verkehrt herum aufhaben. Ist der abgeschrägte Sonnenschutz des Helmes hinten, hat der Fahrtwind keine Angriffsfläche und kann die ohnehin völlig sinnlose Eierschale nicht mehr bis zum Hinterkopf drücken. 

Keine Stunde mit dem Schiff übergesetzt, schon sind wir da. Sechs, sieben Kilometer ist das Eiland lang und an manchen Stellen so schmal, daß man links und rechts  das Wasser sieht. Die östliche Seite ist rauher. Hier haben Wind und Wellen die Landschaft im Laufe der Zeit ordentlich zerklüftet. Auf Klippen steht eine Kirche, zu der wir wie einst Jesus auffahren. Die Wand hinter dem mit Muscheln und Seesternen geschmückten Altar ist eine einzige riesige Glasfront und gibt den Blick frei auf das scheinbar grenzenlose Meer. Ruhig und kühl ist es im Inneren. Eine Frau betet, eine andere sitzt an ihrem Souvenirstand, den sie skurillerweise ebenfalls im Gotteshaus  aufgebaut hat. 

Eine Lagune im geschützten Inneren der Insel beherbergt einen kleinen Hafen und am südlichen Ende der Insel  steht verlassen ein Leuchtturm. Die vielen Hurrikane der letzten Zeit haben die Überreste eines alten Tempels endgültig zerbröselt. Ein Kind füttert furchtlos eine große Echse, Artgenossen naschen von der Vegetation oder sonnen sich reglos auf Felsen.

Bleibt noch der Norden. So viele Frauen! Aber auch so viele Männer und Kinder! in der Früh ging´s ja noch, da waren die Strände beinahe verwaist. Aber mittlerweile haben die Saufschiffe mit offener Bar ihre torkelnen und mit Plastikbechern ausgestatteten Passagiere ausgespuckt, liegen unzählige Segel- und Motoryachten im flachen Wasser vor Anker, haben die Personenfähren von Cancun die Massen abgeladen. 

Denkt man sich aber die Gebäude, die flächendeckenden Sonnenliegen, die hunderten Golfwagerl, die ganzen Menschen weg, bleibt ein trauhafter Ort übrig. Makellos ist der weiße Pudersand. Das Wasser leuchtet in allen Schattierungen von türkis bis tiefblau. In der Brise rauschen die Palmen. Hier möchte man stranden.


Samstag, 6. Januar 2024

 6.1., Puerto Morelos

Wenn die Damen in der Wäscherei nur wüssten, wie sehr wir uns über unsere frischen, duftenden Sachen freuen. Ein trockenes Leiberl ohne Salzflecken, jungfräuliche, biegsame Socken. Eine weitere elementare Notwendigkeit erledigt sich ebenfalls beinahe von selbst. Ein Franzose hat zu viele Pesos übrig und wechselt sie uns auf der Straße zum Vorteilskurs. 

Zusätzlich zu den üblichen Militaristen, die bei dreißig Grad in voller Montur am Strand patroullieren, hat sich heute noch Personal mit Stöpseln im Ohr eingefunden, die hiesige Gouverneurin  beehrt die Stadt mit ihrer Anwesenheit. Durch dieses schräge Aufgebot schlängeln wir uns durch, bis wir zu einem kleinen Boot kommen. Ein paar hundert Meter vor der Ostküste Mexikos erstreckt sich das nach dem Great Barrier Reef zweitgrößte Riff der Welt, einen winzigen Teil davon beschnorcheln wir heute. Zwei mexikanische Brüder sind auch an Bord, sie kommen aus Chihuahua, dem Bundesstaat mit den stattlichen Hunden. Minus sieben Grad hatte es letzte Woche in ihrem Dorf  und hergeflogen seien sie für ein paar Tage Urlaub, zu gefährlich sei die Anreise über den Landweg. Erst unlängst seien sie überfallen worden, um acht Uhr morgens und zehn Stunden von daheim. Von falschen Polizisten mit Blaulicht angehalten, ihre Frauen und Kinder wenig später auf den Knien vor gezückten Waffen. Der neue Pickup mit allen darin befindlichen Habseligkeiten  war weg, aber weiterleben durften sie. Viel später, im öffentlichen Bus am Weg heim sitzend, hätten sie das geraubte Auto wiedergesehen, zusammen mit den Räubern und echten Polizisten, alle bei bester Laune.

Das hier sei ihr erster Schnorcheltrip, berichten sie strahlend, und saufen kurz darauf trotz ihren Schwimmwesten beinahe ab im aufgewühlten Meer. Es scheint, sie können gar nicht schwimmen. Einer krallt sich am Rettungsring des Guides fest und lässt sich abschleppen, der andere reißt sich ständig die Maske runter und hundelt planlos und mit großen Augen in der Gegend herum. In einer netten Mischung aus Weichkorallen und Seegras wundern sich eine Schildkröte, ein Rochen, ein paar Barracudas, ein Boxfisch, ein Clownfisch und viele Bewohner mehr. 


 2.-5.1., Celestun, Valladolid, Puerto Morelos

Ja, ich bin schreibfaul, aber es passiert auch nicht viel. Vom Küstenkaff cruisen wir ausgenüchtert weiter nach Valladolid, wo wir gerade noch so auf einer Baustelle einer Chinesenfamilie unterkommen. Fehlende Balkongeländer, überhaupt ist das halbe Gebäude noch ein Rohbau. Cecilie kann in ständiger Angst vor dem Gurgelschlitzer nicht schlafen, anstatt eines Fensters klaffen in den Badezimmern nur Löcher in den Wänden. In einer lässigen Halsstichhütte mit Saloontüren wie aus dem Westler schlürfen wir Bier und tunken uns dazu Orangen in Chillisalz, es stinkt nach Klo. In einer kühlen Xenote schwimmen wir und ertragen das von einem Seelenlosen dargebotene La Bamba abends an der Bar. 

Zurück in Playa del Carmen bringen wir das kaputte Auto mit gutem Wind an, setzen vorher noch Cecilie vor ihrem neu angemieteten Apartment ab, dann suchen Ena und ich ewig ein Moped für die nächste Zeit in Puerto Morelos. Sechzehn Euro pro Tag waren einmal, jetzt hätte man gerne siebzig. Highest Season, nichts geht mehr. Auf meine verklärte Preisvorstellung hin antwortet mir ein Verleiher: I love you man, but not that much!  Letztendlich cruisen wir auf einem stärkeren und natürlich teureren Modell als gewohnt gen Norden, hilft ja nix. Wenigstens mehr Platz fürs Gepäck und die Kleine am Sozius und schnell genug für die vertrottelten Drängler am Highway. Stunden, halbe Tage vergehen so sinnlos auf der Suche nach Mobilität, Kost und Logis. 

In trauter Zweisamkeit genießen wir viel später die bombastische Aussicht aufs Meer von Puerto Morelos höchstem Gebäude im Umkreis, mit kleinem Pool am Dach und Schaukeln an der Bar. Sogar die Pelikane fliegen unter uns, so hoch ist die Bude, wir logieren dekadent, aber schön. Ena war die Sucherei nach einer brauchbaren Bleibe irgendwann zu blöd und griff für ihre letzten Tage in Mexiko ins Gesparte und ich partizipiere frech und glücklich mit. You are happy, konstatiert auch ein Mexikaner, den wir anderntags bei Sonnenaufgang am Dach treffen, our wifes beat us up. 


Dienstag, 2. Januar 2024

 29.,30.,31.12., Campeche, Celestun

Ein paar unerforschte Ecken in dieser kitschigen Stadt gibt es noch, die mir bei meiner ersten Visite vor rund einem Monat entgangen sind. Oben auf der Stadtmauer kann man lustwandelnd Campeche überblicken und die Glocke läuten, die einst das Kommen der Piraten verkündete, aber das dazugehörige Museum mit vielleicht zehn Quadratmetern ist eher ein Scherz. Eine Schaufensterpuppe im peinlichen Kindergeburtstags- Freibeuter- Outfit erwartet den Besucher und nicht viel mehr. 

Next Stopp: Celestun, verschlafenes Küstenkaff westlich von Merida. Mitten auf der Straße schlafende Hunde am Weg dorthin müssen mehrmals umfahren werden, sie bleiben einfach liegen. Kinder, die in Lumpen Baseball spielen in Dörfern, die so  ärmlich sind, daß sich Cecilie überhaupt weigert, hier irgendwo ein kleines Päuschen einzulegen. Generell ist das ganze Land ranzig. Jede Unterkunft, jeder Wirt, die Häuser, die Autos, mitunter die Menschen, alles ist mehr oder weniger grindig. Das Bettzeug müffelt, Schamhaare kleben in der Dusche, das Häusl rinnt und die Klobrille ist ausgerissen, die Fläschchen mit Sauce am Tisch sind verkrustet und verpickt. Und das bei einem Preisniveau, das sich nicht sonderlich von dem Österreichs unterscheidet. Ich wünschte, ich könnte positiver berichten, aber dann könnte ich ja gleich beim Lonely Planet als Schreiberling starten.

Wie üblich sieht es rund um Neujahr schlecht mit Unterkünften aus. Die erste Nacht verbringen wir in einer modrigen, vollverfliesten grünen Ausnüchterungszelle mit deprimierender zwanzig Watt-Birne. 

Das unaufgeregte Celestun mit seinem durchschnittlichen Dorfstrand ist der Höhepunkt meiner beziehungsweise unserer mittlerweile über viertausend Kilometer langen Reise, zumindest wenn es um freien Zugang zum Meer geht. Ein paar Restaurants und Verschläge mit Plastiksesseln, einheimische Familien mit Kühlboxen und lauter Musik unter Palmen, Fischerboote im Sand. Frauen in Tracht verkaufen Selbstgesticktes und kaltes Kokoswasser. Eine Mole ragt ins Meer, von der aus Männer und Frauen ihre Angeln und Netze auswerfen. Wirklich nix Aufregendes, aber schon viel angesichts der schamlosen Privatisierung der vorhandenen Strandabschnitte zumindest auf der restlichen Halbinsel Yukatan. 

Einen entbehrlichen  Bootsausflug lassen wir uns aufschwatzen, damit Cecilie auch noch zu ihren Flamingos kommt. Die hocken vereinzelt auf Sandbänken und filtern rosa vor sich hin. Auf einem Felsen hocken noch Kormorane und Pelikane, so wie sie das überall anders auch tun. Durch die  Mangroven gleiten wir und sehen Termitennester und rote Krabben und irgendwo ein Stückchen weiter blubbert´s ein bisschen im Meer, scheinbar eine Süßwasserquelle. Wir hätten soeben die Bundesstaatengrenze zwischen Campeche und Yukatan überquert, aha. Dann sollen wir uns an einer seichten Stelle zirka hundert Meter vor der Küste mit bläulichem Schlamm einschmieren. Hier hätten die Maya immer gebadet und der Dreck sei gut für die Haut. Bullshit. Sicher frei erfunden. Vielmehr könnte es sich hierbei um ein antikes Gemeinschaftsklo der Maya handeln, etwas abseits der Horde und ausgestattet mit praktischer Frischwasserspülung. 

Heute endet das Jahr, aber viel merkt man nicht davon. Eine zur Feier des Tages anberaumte Achtelrallye scheitert schon nach dem zweiten Wirten, mehr geöffnete Lokale mit Alkoholausschank sind nicht auszumachen.  Am Strand bemüht sich ein angeheuerter Saxophonspieler später redlich, die Restaurantgäste bei Laune zu halten, ein Ding der Unmöglichkeit. Rund um die elitären Tische der Feiergesellschaft dröhnen die Musikboxen der Einheimischen, kläffen die Hunde, zünden Kinder Raketen. Irgendwie schaffen wir es bis Mitternacht. An einem rauchigen Lagerfeuer singt eine ältere Lady zum Jahreswechsel stimmgewaltig und spielt die Gitarre, Menschen werfen vollgeschriebene Papierschnipsel ins Feuer.

Das neue Jahr. Ausschlafen, die Wunden der gestrigen Druckbetankung lecken. Rundum wird gekotzt, es klingt, als ob Frösche am See quaken würden. Später ein Pescado frito, Ena bekommt ihre Pancakes. Dazu einen Liter Ananassaft mit Spinat, Alk werden wir nie wieder trinken. Ein sonniger, schon wieder völlig ereignisloser Tag in Mexiko.