Donnerstag, 5. Januar 2017



4.1., Labuan Bajo
Toasts mit Erdnussbutter und Marmeladeersatz gemeinsam mit einem französischen Pärchen am Balkon mit Blick auf den Hafen. Zwei Langzeitreisende, die sich für Kost und Logis auf Segelbooten verdingen und die in Australien nur selbstgekochte Nudeln essen, um ihr Reisebudget nicht zu sprengen, Geschichten aus aller Welt. Dann Anlegen von essentiellen Vorräten im wohlsortierten Supermarkt, unter anderem ein Wunderwerk angewandter Chemie, ein ungekühlt auf ewig haltbarer Gouda. Scharfes Sambal im Sackerl, Proviant für die morgige Tour. Und als Draufgabe aufs bescheidene Frühstück herrliche Bruscetta mit Melanzani und Tomatensauce beim ausgewanderten Italiener, von denen es in Labuan Bajo gleich mehrere gibt. Den restlichen Tag gammeln wir am Pool eines Luxusresorts ein paar Kilometer außerhalb der Stadt ab. Für ein paar Euro kann man so etwas wie eine Tageskarte erwerben und gut trifft es sich, dass hier kein einziges Zimmer belegt ist und wir den Pool ganz für uns alleine haben. Ein Angestellter bringt Eiscafe und Fruchtsalat und wir plantschen in lauwarmem Wasser. Weiter vorne das Meer wäre zu schmutzig dafür, da treibt es noch den Dreck vom Hafen herüber. Ein Aperitif wieder mit erquickendem Panorama in einer Tauchbude mit angeschlossenem Cafe und mit gutem Hunger Roti beim Fischmarkt auf der Hafenmauer, hinter der die wohlgenährten Ratten wuseln. Dann gehen wir heim, morgen geht’s schon um fünf Uhr los mit einem Ausflug in den westlich von Flores gelegenen Komodo-Nationalpark.

Dienstag, 3. Januar 2017



3.1., Bima, Sape, Labuan Baju
Um vier Uhr läutet der Wecker, ich hätte Bäcker werden sollen. Durch die leeren Straßen latschen wir zurück zum Bahnhof, wo wir noch zwei Stunden darauf warten, dass sich der Fahrer endlich dazu bequemt, loszufahren. Im Schleichtempo zuckeln wir durch vollkommen verwüstete Straßenzüge. Mit Bulldozern zusammengeschobene Schlamm- und Müllberge an jeder Ecke, mit Dreck bedeckte Friedhöfe. Vor einigen Tagen gab´s hier eine gewaltige Überschwemmung und die Schäden sind noch lange nicht behoben. Irgendwann wird es hier unglaublich zu stinken beginnen, noch ist es aber nicht so weit. Außerhalb Bimas müssen wir über eine Fußgängerbrücke gehen und den Bus wechseln. Eine große Autobrücke wurde vom Fluss restlos zerstört. Halbe Häuser wurden weggespült, immer wieder Hangrutsche auf der Straße. Bei all dem Szenario herrscht strahlender Sonnenschein. Hoffentlich schaffen wir es wenigstens heute rechtzeitig zur Fähre. Wann die ablegt, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Von sieben bis zehn war schon alles dabei, so mancher faselt auch von zwei Schiffen am Tag. Wir werden es erst mit Sicherheit wissen, als sich das Ding um halb Elf endlich in Bewegung setzen wird. Die Dauer der Überfahrt schätzen wir nach dem Stand des Mondes auf acht bis zehn Stunden und decken uns noch am Hafen mit Proviant ein. An Bord lege ich mir von einer fliegenden Händlerin noch einen Vorrat an Chilis zu, die indonesische Küche schmeckt bisweilen etwas fad. Von fern wie mit Moos überzogen erscheinen die Komodo-Inseln, die wir passieren, bevor wir am Nachmittag in Labuan Bajo einlaufen, einem lärmenden Kaff mit ein paar abgesoffenen Kähnen im Hafenbecken und Reiseagenturen an jeder Ecke. Sammeltaxis mit übersteuerter Musik, hupende Lastwägen, Mopeds ohne Ende. Hier dreht es sich hauptsächlich um Warane und Tauchen und das Geschäft brummt. Nicht leicht, ein passables Quartier zu bekommen. Edina findet oben am Hang ein Haus mit Balkon und herrlicher Aussicht aufs Meer, in dem noch zwei Zimmer zu haben sind und schon ist´s wieder finster. Hier bleiben wir für mindestens fünf Nächte und ich kann gar nicht gebührend zum Ausdruck bringen, wie glücklich ich darüber bin. Endlich ausschlafen. Endlich macht es Sinn, den Rucksack auszupacken. Genug Zeit, die teilweise modrige Wäsche waschen zu lassen und zum Frisör zu gehen. Die meisten Touren starten wohl von unserer strategisch eingerichteten Homebase, deswegen die unverhoffte Entschleunigung. Neben dem Fischmarkt reihen sich Fischbratereien aneinander und in einer von ihnen teilen wir uns einen großen, roten Fisch. Sein Fleisch ist so hart und zäh, dass wir ihn nicht einmal mit den Händen anständig zerkleinern können, aber schmecken tut er. Sambal dazu und Melanzani. Sehr rustikales Ambiente. Das schmutzige Geschirr stapelt sich am Boden und in trübem Wasser werden notdürftig Gläser gespült. Am offenen Feuer dünstet eine Frau Unmengen an grünem Gemüse und der Reis kommt aus großen Bottichen. Mit uns am Tisch ein älterer Einheimischer mit Namen Stefano, der uns in sein Hotel einlädt, weil er sich´s auf Edina steht, obwohl ihm seine hässliche Frau angesäuert gegenüber sitzt. Bier mit Eis. Noch eine dicke, fluffige Palatschinke mit Kondensmilch und Nüssen und dann ist´s gut.


2.1., Pulau Moyo, Sumbawa Besar, Bima

Mit der Sonne stehen wir auf, das Boot legt fast leer und bei absolut ruhiger See pünktlich um 6.30 ab. Jeff fährt ebenfalls aufs Festland, um seine restlos aufgebrauchten Vorräte aufzufüllen und wartet mit Borit und  mit ein paar Mopedheinis am Pier, die uns zum Haus der Eltern seiner Frau führen. Durch enge Gänge gelangen wir vorbei an einem Begrüßungsspalier der Anrainer zu einem lauschigen Innenhof, wo wir unter einem schattigen Baldachin aus Holz sehr gut verköstigt werden, ehe wir schon wieder los zum Busterminal müssen. Um drei Uhr nachmittags soll der Kleinbus, den wir nehmen werden, dann in Bima ankommen. Dort müssen wir nur noch einmal für eine einstündige Fahrt nach Sape weiter im Osten umsteigen, um von dort mit genügend Zeitpolster die Fähre um acht Uhr rüber nach Flores zu erwischen. Super! Nicht viel Leerlauf, gute Abstimmung der Anschlüsse, vielleicht sogar mit Klima im Minivan. Oder so ähnlich. Mit einem engen, schäbigen Bus für das gemeine Fußvolk beginnen wir das Reisemartyrium. Unsere Rucksäcke werden auf dem Dach verstaut. Da das Vehikel noch so gut wie leer ist, entscheiden wir uns für die hinterste Sitzreihe. Ich in der Mitte, links von mir Ena und dann Edina. Rechts von mir nimmt ein Alter in traditioneller Tracht mit Schiffchen am Kopf Platz, dem ich in Ermangelung anderer Verständigungswerkzeuge ein paar Fotos unserer bisherigen Reise zeige. Aus dem Lautsprecher oberhalb dudelt akzeptable, moderne Indo-Musik. So weit, so gut. Nachdem sich der Bus endlich gefüllt hat, fahren wir los und schon nach kurzer Fahrt kotzt sich ein Kind an. Für solche Eventualitäten hängen an der Haltestange wenigstens Sackerl zur freien Entnahme. Dann setzt stundenlanger, heftiger Regen ein. Rinnsale bahnen sich ihren Weg durch die Lautsprecherabdeckungen und die Türdichtungen, tropfen durch durchgerostete Stellen und nicht zur Gänze verschließbare Fenster. Das ganze wächst sich zu einer veritablen Überschwemmung aus. Edina sitzt außen und versucht, das eindringende Wasser mit Tüchern irgendwie umzuleiten, dem Pensi neben mir sickert die Suppe auch schon in die Ritze und er geht auf Tuchfühlung. Weil er aus dem Mund riecht, als würde er schon seit geraumer Zeit an Darmverschluss leiden, bekommt  er als erste Notfallmaßnahme ein Kaubonbon, das er, weil zahnlos, andächtig weglutscht, während wir langsam absaufen. Ich fühle mich hier wie in einem selbstgehäckelten nordkoreanischen U-Boot. Alle Scheiben sind beschlagen, viele rauchen, die Straßen stehen teilweise unter Wasser. Der Busboy klettert affenartig aufs Dach, um die Ladung zu sichern, steigt über den mit Säcken und Kartons verstellten Mittelgang, um die Windschutzscheibe innen abzuwischen und stopft Ritzen, während der Fahrer unbeirrt durch die mittlerweile hereingebrochene Dunkelheit fetzt. Bergauf lauert der sehnige Allrounder beim hinteren Einstieg mit einem Holzkeil in der Hand, auf dass der Bus nicht nach hinten wegrutscht, sollte ihm bergauf gänzlich der Antrieb abhandenkommen. Es hat den Anschein, als ob bei ärgeren Bodenunebenheiten gelegentlich Zeug vom Dach fällt. Manche Fahrgäste schlagen dann Alarm und der Bus fährt trotzdem weiter. Neun Stunden lang spielt es die gleiche Musik, sieben Lieder in Endlosschleife. Als wir nach neun Stunden endlich in Bima einfahren, schält sich schon meine Rinde vom Großhirn. Wir sind nass, verschwitzt, müde und angesäuert. Der letzte Bus zum Fährhafen ist schon lange weg. Es bleibt nichts anderes, als für die kurze Nacht in einer überteuerten Bruchbude abzusteigen.

Montag, 2. Januar 2017



1.1., Pulau Moyo
Ein unerwartetes Frühstück mit kaltem, sehr süßem Milchkaffee, einem kalten Spiegelei und ein paar Instantnudeln dazu. Bei Jeff schlürfen wir noch indonesischen Kaffee ohne Zucker, der auch nicht ganz koscher schmeckt, weil er mit Ingwer und anderen eigenartigen Streckmitteln versetzt ist. Der ursprüngliche Plan, mit Mopeds zum acht Kilometer entfernten Wasserfall zu cruisen, wird nix. Gestern noch mit einem Insulaner alles ausgemacht und heute sagt er, dass das einzige Gefährt, das er besitzt, kaputt ist und dass, wenn überhaupt, nur einer damit fahren kann. Am besten nimmt man das wertfrei so hin. Es bringt auch gar nichts, weiter darüber nachzudenken. Also zu Fuß durch den Wald und ohne Guide, weil Fredy gerade nicht aufzutreiben ist, obwohl uns Jeff erzählt hat, dass erst unlängst am Weg zum Wasserfall zwei Touristen aus Lombok von Typen mit Macheten ausgeräumt wurden. Wir verteilen unsere Habseligkeiten sicherheitshalber strategisch, aber die einzig erwähnenswerten Passanten sind erfreulicherweise nur ein paar Affen, ein Wildschwein und eine Stabheuschrecke. Der Wasserfall ist wunderschön. Durch die Bäume hindurch dringen ein paar Sonnenstrahlen, die das Wasser in den stufenartig abfallenden Pools zum Glitzern bringen. Wir nehmen ein erfrischendes Bad, nachdem wir in schwüler Hitze den Berg hierher hoch komplett durchgeschwitzt sind, außer uns ist niemand hier. Der ebenfalls geplante Ausflug zur Fledermaushöhle wird ersatzlos gestrichen, das hier genügt für einen Tag. Ich spanne mir noch die Hängematte am Strand auf und gehe schnorcheln, Ena und Edina gehen auf einen Snack zum Dorf-Warung. Wir schlafen hier sogar zwei Nächte, unglaublich. Aber auch nicht mehr. Komodo und Flores müssen in den nächsten neun Tagen auch noch unterkommen, bevor Ena und Edina wieder die Heimreise antreten müssen und bei Schlechtwetter kann man hier auch schon mal eine Woche festhängen, weil das einzige Boot des Tages nicht auslaufen kann.


31.12., Sumbawa Besar, Pulau Moyo
Nächtliche Ankunft in unerforschtem Terrain, ab jetzt nur mehr Neuland für den Rest der Reise. Englisch versteht keiner mehr und irgendwo werden wir aus dem Bus gescheucht, während alle anderen sitzen bleiben. In Sumbawa Besar sind wir jedenfalls. Eine Frau erbarmt sich und organisiert uns drei Mopeds und da sich das angesteuerte Hotel als überteuerte Absteige entpuppt, gehen wir auf gut Glück die Straße entlang. Weit weg vom Zentrum dieser kleinen Stadt sind wir wohl nicht, trotzdem ist alles recht weitläufig angelegt. Ein Geschäftsinhaber lotst uns zu einer akzeptableren Alternative. Das macht er der hiesigen Etikette folgend, indem er mit dem ausgestreckten aber angelegten  Daumen in die entsprechende Richtung deutet. Fünf aufgeregte Burschen an der Rezeption, ab ins Bett. Um sieben Uhr klopft es schon an der Tür, „Mr. Stef? Selamat Pagi, Breakfast!“ An die Tür gebracht wird noch warmer, in Papier verpackter Reis mit einem mir bis dato unbekannten Teil vom Huhn, vielleicht dem Hals. Ich bin nicht alleine mit meinen kulinarischen Entdeckungen. Edina meint später, irgendwas in ihrem gestern gekauften Jausenpaket habe recht nussig geschmeckt und ob ich wüsste, was das gewesen sein könnte. Ich hatte das gleiche ohne besagtes Aroma und empfehle, besser nicht weiter darüber nachzudenken. Wir müssen heute zum Hafen und vorab herausfinden, wie weit entfernt der ist, wann die Fähre ablegt und ob es auf der angesteuerten Insel Pulau Moyo ein Quartier für uns gibt. Trotz Internet in der Lobby und Kommunikationsversuchen mit allen verfügbaren Gliedmaßen scheint es unmöglich, das herauszufinden. Aus unerfindlichen Gründen dürfte das Lieblingswort des Hoteleigentümers aus überschaubarem Fundus das Wort „Nine“ sein. Ihm zufolge ist das Pier neun Kilometer entfernt, die Taxifahrt dorthin dauert neun Minuten und das Boot legt um neun Uhr ab. In den Weiten des Internet taucht in einem Blog die Telefonnummer eines gewissen Borit auf, den rufe ich an. Kosmisches Störfeuer, lost in Translation. Als würde ich mit einem Hund auf dem Saturn telefonieren.  Wieder hilft uns eine sehr schüchterne, aber des Englischen mächtige Frau aus dem Schlamassel. Sie übernimmt die Gurke, Borit wird uns einen Typen herschicken. Tatsächlich. Nach einer Stunde kommt ein junger Mann und kümmert sich ums Taxi und am Hafen zeigt er uns den Holzkahn, der in Kürze ablegen wird. Die Unterkunft ist ebenfalls gesichert. Zuvor wird noch die Jam Garet, die sprichwörtliche indonesische Gummizeit, schlagend. Nur langsam füllt sich das Boot mit freundlichen Menschen und Ware. Geladen werden Zementsäcke, die schlauerweise als später sehr nützlicher Ballast durch den Bretterboden in den Rumpf geschlichtet werden, Fenster, Eisenstangen etc. Das Wasser im kleinen Hafen ist abartig dreckig. Auf dünnen Matten sitzen wir später und vollziehen den rituellen Kekstausch mit unseren Sitznachbarn, während wir langsam aufs offene Meer schaukeln. Wir filmen eifrig und werden gefilmt. Auch der Bürgermeister des Inseldorfes ist an Bord und heißt uns in passablem Englisch herzlich willkommen. Der Kapitän sitzt auf einem Sessel ohne Beine quasi mit den Knien zwischen den Ohren und steuert den Kahn über ein lächerlich kleines Steuerrad aus Holz. Es sieht zwar so aus, wie man sich das von einem anständigen Steuerrad erwarten kann, verfügt über die sechs Holzknubbel und Schnitzereien, ist aber nicht größer als eine kleine Pizza. Es folgt eine aufreibende Fahrt mit hohem Wellengang. Während der nächsten zwei Stunden rollen von vorne links, wie man in der Sprache der Seemänner sagt, ganz ordentliche Wellen mit weißen Schaumkronen oben drauf heran. Ganz vorne am Bug sitzt ein Kind und zeigt dem Kapitän per Handzeichen unmittelbar notwendige Lenkmanöver an. Hier kotzt erstaunlicherweise niemand. Im Gegenteil, die rund dreißig Passagiere werfen sich einfach ein Tuch über und legen sich kollektiv schlafen. Ganz schön abgebrüht, hält man sich vor Augen, dass fast alle an Bord Nichtschwimmer sind. Für manche von uns dauert die Fahrt auch eine gefühlte Ewigkeit, weil sie schon seit Stunden aufs Klo müssen. Selbst wenn es auf dem Kutter irgendwo ein Häusl gäbe, wäre das Unterfangen bei diesem Seegang völlig unmöglich. Die Anlegestelle des kleinen Dorfes ist dann entzückend. Ein kleiner Holzsteg ins Meer, zu Beginn ein schattiger Unterstand. Geschätzte fünfzig Häuser, enge Wege dazwischen. Ziegen, Kinder zu dritt auf schrottreifen Mopeds, Hühner mit Nachwuchs, schläfrige Hunde. Tropische Beschaulichkeit. Zudem wirkt alles zwar ärmlich, aber recht sauber. Ein Typ holt uns ab und vermittelt uns zwei einfache Hütten in einem Garten. Strom nur am Abend über den Dorfgenerator, ein kleiner Ventilator im Eck, eine Matratze am Boden, statt einer Dusche Brunnenwasser aus dem Kübel. Als einzige Touristen verursachen wir Gekicher und verhaltene Neugierde, während wir durch die Siedlung schlendern. Mädchen mit Kopftüchern spielen auf der Dorfwiese Volleyball, daneben veranstalten ein paar Insulaner ein Picknick. Vor dem Amtshaus hängt ein Plakat mit dem Konterfei des uns schon bekannten Bürgermeisters, der in Habt Acht-Stellung neben einem Polizisten posiert. Später kommen wir an seinem Wohnhaus vorbei, wo er mit nacktem Oberkörper im Vorgarten sitzt und schon fleißig am Tschechern ist, schließlich ist heute ja Silvester. Am Strand finden wir unter schattigen Bäumen eine Lümmelecke mit Sitzsäcken und kleinen Tischen auf einer aufgeschütteten Terrasse, dekoriert mit kleinem Einbaum und Seeschnecken, ein hölzernes Windspiel klackert in der Brise. Der Franzose Jeff hat hier vor einem halben Jahr mit seiner indonesischen Frau Land gekauft und ein kleines Resort mit ein paar Hütten gebaut. Seitdem leben sie mit ihren zwei kleinen Buben als Zugereiste recht isoliert auf Pulau Moyo. Mit dem älteren Einheimischen Fredy haben sie einen sehr netten Gehilfen gefunden, der gleichzeitig als Sicherheitsmann fungiert. Auf der gesamten Insel ist für 60.000 Bewohner ein Polizist abgestellt, wahrscheinlich der vom Plakat neben dem Leader. Und der hat seinen Posten im einzigen, auch von Soldaten bewachten Nobelresort, wo man für eine Nacht mehr als tausend Euro abdrücken muss. Lady Diana ist da zum Beispiel schon per Hubschrauber abgestiegen. Die Nobelabsteige verschafft immerhin hundertzwanzig Leuten Arbeit. Wahrscheinlich müssen die Betreiber trotzdem, so wie auch der Franzose, dem Bürgermeister hohe Summen an Schmiergeld zustecken, um ihr Geschäft betreiben zu dürfen. Jeffs Kinder lernen zumindest drei Sprachen, neben Englisch und der Landessprache Bahasa Indonesia auch noch den Inseldialekt. Wie es mit Französisch aussieht, haben wir ihn nicht gefragt. Mit ihrer Volljährigkeit können die Buben dann zwischen französischer oder indonesischer Staatsbürgerschaft wählen. Eine von Edina die ganze Zeit herumgetragene Flasche österreichischer Welschriesling später am Balkon läutet für uns das Fest zum Jahreswechsel ein. Warm, aus der Flasche, völlig wurscht. Schmeckt herrlich. Sobald der Strom da ist, kann bei Jeff der Reis gekocht werden und wir finden uns zum Dinner ein. Gegrillter Fisch, ganz simpel und ganz gut, nur die Mädels jammern wegen der vielen Gräten. Auch der Leader kehrt hier ein und mit ihm, der Betreiberfamilie und dem Gehilfen verbringen wir einen lauschigen Abend am Strand. Um Mitternacht stoßen wir an, irgendwer schießt noch ein paar verhungerte Raketen ab und mehr passiert nicht. Ein Wunder, dass wir überhaupt noch wach sind.