Dienstag, 28. Januar 2020

28.1., von Koh Phayam nach Chiang Mai

Abflug. Aeow und Cha machen noch winke winke am Pier, während das Speedboot auf wahnsinnige Geschwndigkeit beschleunigt. Wieviele Gäste die wohl schon so verabschiedet haben im Laufe der Jahre. Noch ein Abstecher zum stinkenden Fischmarkt in Ranong, Rochen, Haie und Barracudas schauen, dann setze ich mich ab nach Chiang Mai, während Roman und Bambam nach Bangkok weiterfahren. 
Das ganze Land trägt Mundschutz. Die Reise dauert den ganzen Tag. Kalt isses im hohen Norden! In Relation, versteht sich. Mein angesteuertes Guesthouse ist verwaist, erst nach einem Weilchen findet sich ein vollgepeckter Thai mit Tellern in den Ohren und gibt mir ein kleines Zimmerchen mit Ventilator und Matratze am Boden. Parkett zwar inside, aber das Häusl am Gang.
Im Cafe gegenüber sitzt Peter, ein in Tschechien geborener, in Neuseeland lebender und jetzt mit seinem Patienten in Thailand Urlaub machender Pfleger. Sein Schutzbefohlener sitzt im Rollstuhl und ist ein Punk, hockt den ganzen Tag mit Gleichgesinnten beim Wirten und gibt sich die Kante, bis er irgendwann abgeholt und bettfertig gemacht werden möchte. Bis dahin essen Peter und ich in deren Domizil, einem achteckigen Holzhaus, Phat Thai, dort wohnt er im kakerlakenverseuchten Soutterain, ober ihm der Punk. Nach Mitternacht spaziere ich heim durch die ruhige Nachbarschaft, hier gefällt´s mir.
27.1., Koh Phayam
Der dümmste Frosch der Insel ist bei mir eingezogen. Als ich des Nächtens aufs Häusl gehe, springt er ohne jede Not von der Tür auf meinen Unterschenkel. Ich mache panisch auf Shakin´Stevens und werfe ihn ab, in der Früh wiederholt sich das Szenario.
Auch Bambam hat es nicht leicht, sie schaut aus wie ein Streuselkuchen. Irgendetwas verträgt sie nicht. Als ich, zurück in Wien, vor einigen Jahren mit dem gleichen Ausschlag zur Hautärztin ging und sie fragte, was das denn sein
könnte, meinte sie mit entwaffnender Ehrlichkeit: "Woher soll ich denn das wissen?"
Balkonien also für die Aussätzige, während Roman und ich uns massieren lassen. Meine Dame drückt mir am Rücken herum, dann fragt sie: "Inside aua?" Ich auf gut Glück: "Inside no aua." Sie: "Inside no good!", dann drückt sie mir mit Vehemenz ein Wimmerl oder was auch immer aus. Meine Achselhaare passen ihr auch nicht und einige Ohrenborsten reisst sie mir ebenfalls aus, dann konzentriert sie sich wieder auf das Wesentliche. Insgesamt eine sensationelle Behandlung. Die Masseuse trägt einen roten Mundschutz, vielleicht wegen der allgemeinen Aufregung, die dem Seuchenausbruch
in China geschuldet ist. Aeow glaubt tatsächlich, daß die Krankheitserreger schon durch bloßes Anschauen übertragen werden können und fühlt sich unwohl wegen der chinesischen Gäste im Resort nebenan. Speiben muss sie auch, aber daran ist wieder einmal der gestrige Tequila schuld.
Abschließend noch ein Konzert im Freedom. Man stelle sich vor: Gandalf in schwarzer Trainingshose mit weißen Streifen und Badeschlapfen spielt den Funk wie einst James Brown, nur halt auf Thai. Ein versteinerter Bassist mit bunten Sonnenbrillen, ein Farang am Saxophon, der Hammer.

Sonntag, 26. Januar 2020

19.-26.1., Koh Phayam
Roman und Bambam kommen an und mit ihnen ein guter Grund, die Hängematte für ein Weilchen zu verlassen. Von 0 auf 100 in drei Sekunden, Phönix aus der Asche, die Auferstehung reloaded. Graf Dracula, wenn die Blunze angeschnitten wird. Die haben sie zwar nicht im Gepäck, dafür andere Leckerlis für mich. Ich tausche fortan Vollkornbrot, Bergkäse und Fitzesrollen gegen das Wissen um die besten Cocktails, insbesondere Krüge voller extrascharfer Bloody Mary mit sauren Gurken, das Navigieren zu den schönsten Spots für epochale Sonnenuntergänge, zu den besten Massagen oder den schärfsten Wirten. Bei einer
ausgewanderten Russin zum Beispiel werden gerade in großen Tontöpfen mit Hilfe von glosenen Kokosnussschalen Wildschweinteile geräuchert. Im Saithong gibt´s Mango
mit Reis, beim Stelzenwirt die beste Entensuppe.
Jeden Abend tuckert der mobile Eismann auf seinem Moped den Strand entlang und verkauft hausgemachtes Süßkartoffel- oder Kokoseis, vorher schmiert er noch süßen Sticky Rice in das Stanitzel. Alles wunderbar, aber ab und an verweigert dann die Verdauung ansatzlos ihren Dienst. Dann ist zügige Heimfahrt angeraten,  weil die Kacke sprichwörtlich am Dampfen. Wen soll man künftig boykottieren? Verdächtig sind alle, ärger als im Orient Express.
Ein dreitägiges Festival in der Rasta Baby Bar direkt am Strand. Under the influence stampfen wir zu Liedern in den tiefen Sand, die uns daheim schon Ohrenbluten verursachen würden. Stop that train, Stand by me, Redemption song. Eine aus Bambus gebastelte Bühne, ein entfesselter Pirat am Keyboard, ein völlig bekiffter Insulaner mit seligem Silberblick, der sich über Stunden nur mehr an seiner Djembe festhält, statt sie zu spielen. Am Horizont die beleuchteten Fischerboote
 und über uns die Sterne.
Dinge wiederholen sich. Ich kämpfe schon wieder mit hartnäckigem Dreck im Auge und nach einer Spülung in der kleinen Sanitätsstation bin ich für zwei Tage als
Einäugiger unterwegs. Schon wieder fallen dreißig Bullen auf der Insel ein, wie die Pfadfinder mit dem Speedboot eingetroffen und ausgeschwärmt auf der Suche
 nach dem Verbrechen, als da wären:
Auf dem Festland gestohlene und hierher verschiffte Mopetten, Drogen, Burmesen ohne Aufenthalts-/Arbeitsgenehmigung, betrunkene Kapitäne und Taxler. Helle Aufruhr allenthalben. Illegale Burmesen werden in Rumpelkammern versteckt, Lokale geschlossen. Ein Frosch flüchtet in meine Klomuschel, eine gigantische Kakerlake in mein Bett.
Oder eine Kajaktour in die Mangroven, noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Eine seit vielen Jahren nur halb fertig gebaute Brücke dient als Orientierungshilfe für die richtige Einfahrt. Die Dorfheinis dort ziehen sich noch immer mittels Seilen und Körben über das Wasser und warten auf das Wunder der Fertigstellung. Von dort folgen wir dem Kanal, bis die Hauptschneise immer verwinkelter und enger wird, bis sich die Bäume über uns schließen, bis es irgendwann nicht mehr weiter geht. Hier stinkt es schon heftig. Eine dicke, schaumige Grindschicht bedeckt das Wasser und wir fürchten uns vor
herabfallendem Ungeziefer. Perfektes Timing dank einer im Saithong ausgehängten Tidentabelle. Mit dem steigenden Wasser paddeln wir rein, mit dem Einsetzen der Ebbe lassen wir uns wieder raus aufs Meer treiben.
Übermorgen werden wir drei gemeinsam die Insel verlassen. Roman und Bambam legen noch ein paar Tage in Bangkok ein, ich nehme nach knapp vier Wochen Insel-Auszeit den Flieger von Phuket nach Chang Mai im Norden Thailands

Montag, 20. Januar 2020

11-18.1., Koh Phayam

More of the same, eine ganze Woche lang. Elektronische Musik bei Vollmond, aufgelegt von einer Thailady, die es irgendwie schafft, daß ihr die zahlreichen Silberzähne wunderbar stehen. Die Dranglerin Cecilia, der abstinente Basti und ich schauen kreisende Adler bei der hoch oben am Berg gelegenen Eagle Bar, unterhalb steht auf einer Lichtung das ärmliche Dorf von ehemaligen Seenomaden. Regelmäßig schwingen wir auch das Frisbee am Long Beach. Vor zwei Jahren sind hier nach
Einbruch der Dunkelheit vom Meer her Soldaten in kleinen, unbeleuchteten Booten eingefallen und haben im Zuge einer Razzia an die dreißig Thais und Westler verhaftet. Die wurden dann mehrere Tage lang eingesperrt. Hauptsächlich wegen des Besitzes von Gras, in Thailand noch immer kein Kavaliersdelikt.
Die Gäste des Saitong- Resorts geben es gesitteter.  Wir kaufen uns ein Büschel Kratomblätter von einem alten Insulaner, die sollen mild energetisierend wirken. Affengleich fressen wir die bitteren, fleischigen Blätter und warten auf subtile Beschleunigung. Das schickt sich vielleicht auch nicht wirklich, aber dem Vernehmen nach stört man sich nicht weiter daran.
Ich ziehe um und belege eine Hütte weiter vorne am Hang. Blick aufs Meer, eine milde Brise, viel besser. Nachbar Ulli hat tolle Geschichten auf Lager von Orten, an denen ich auch schon war, von ihm allerdings bereist in den Siebziger Jahren. Unterwegs auf Versorgungsschiffen statt im Billigflieger, wohnhaft beim Missionar oder dem Häuptling statt im chicken Bungalow. Statt selbstgemachtem Brot und Lassis gabs wochenlang Reis, Wasserspinat und kleine, transparente Fische mit penetrantem Ammoniakgeschmack. Da freue ich mich umso mehr über burmesischen Salat mit eingelegten Teeblättern oder für mich schon wieder exotisch
gewordenes Erdäpfelpüree. Dazwischen geht mir wie gehabt der Sprit aus. Cha´s Dschungelgurke braucht Unmengen davon, obwohl sie ohnehin permanent abstirbt.
Aeows Geburtstag feiern wir in großer Runde, ich lasse die Massage einer Ahnungslosen bei chinesischer Fahrstuhlmusik über mich ergehen, nehme an einem Charity-Essen für australische Koalabären teil, kein Witz.
Geboxt wird auch wieder. Kinder, Frauen, das letzte Aufgebot. Gänzlich unbeschwert von Technik oder Taktik decken sich die Kontrahenten wie bei einer Wirtshausschlägerei mit Tschinellen oder Faustwatschen ein. Ein Kämpfer verteilt wilde, verzeifelte Schwinger wie dereinst Bud Spencer, begleitet von
kurzatmigem Schnaufen, daß der Mundschutz schon nicht mehr im Mund bleiben will. Dazwischen kriecht er als ewiger Verlierer beim innig umarmten Gerangel öfter am Boden herum, als daß er steht oder davon läuft. Ewig zieht sich der Abend hin. Die Pausen zwischen den Kämpfen wollen kein Ende nehmen, damit von den Gästen vielleicht doch noch ein paar Bierchen mehr getrunken werden. Die Gegner des nächsten Showdowns sitzen unterdessen nebeneinander auf Plastikstühlen und üben sich in angestrengter Contenance. Ich gehe noch vor dem Hauptkampf. Auch das Gecko-Ei lasse ich in der alten Hütte zurück, da geht ebenfalls nichts weiter.

Sonntag, 12. Januar 2020

.-10.1., Koh Phayam
 
Ein kurzes Update der letzten Tage, zerstochen niedergeschrieben wie jedes Jahr um diese Zeit und die verbleibenden Vorräte an Antihistaminsalben ängstlich schwinden sehend. Es hilft alles nichts. Schon unmittelbar nach dem Aufstehen hülle ich mich in nicht den Temperaturen angemessenes Textil und bedenke die freiliegende Resthaut mit übelriechendem Insektenschutzmittel, trotzdem mehren sich die Stiche.
Liege ich so im Bett herum, das Moskitonetz und der Ventilator versehen ihren Dienst, beisst mich zum Beispiel etwas Unsichtbares in die Armbeuge. Nichts, keine Ameise, keinen Floh kann ich ausmachen und für den prompt wachsenden Riesendippel zur Rechenschaft ziehen. Unsichtbare Feinde, endemische Einzeller einer fehlgeleiteten Evolution zwingen mich dazu, bei Affenhitze langhosig und auch am Balkon unter einem Moskitonetz kauernd mein Dasein zu fristen.
Tagaktive Gelsen stechen routiniert durch die Socken bevorzugt auf die Knöchel und möchten fallweise ihre Dengue-Erreger anbringen. Ins Wasser gehe ich ohnehin nur in Notfällen und dann nur für Sekunden, dort lauert aquatisches Ungeziefer.
Was für ein Leben. Deren, meines ist ansonsten wunderbar.
Sonst nicht viel Neues. Staplerfahrer Jürgen und seine Lady mit brummender Lee Marvin-Stimme sind angekommen. Er spricht in schwer verständlichem Werner
Beinhart- Dialekt und lebt daheim in einem kleinen Holzcontainer, während der Wintermonate chillt er hier. Sonst noch Ulli und Basti und wie sie alle heißen, ärger als auf Malle.
Ein monströser, furchteinflössender Hundertfüssler unterbricht nur kurz die Beschaulichkeit des Tages. So groß wie die Spanne zwischen meinem ausgestreckten
Daumen und dem kleinen Finger. Cha wischt ihn schnell mit einem Besen von der Ziegelsäule, die er auf seiner Flucht hochjagt, schafft es höchst vorsichtig,
das mit dem Besen fixierte Viech in eine Plastikflsche zu sperren. Für gewöhnlich bringt der friedliebende Hausherr eingefangene Ratten, Schlangen und
sonstige Unruhestifter nicht um, sondern entlässt sie in der Nähe des Blue Sky, eines Luxusresorts weit weg von hier, wieder in die Freiheit. Soviel Bosheit
hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Diesmal übernehme ich die Verbannung, das Brachland über der Straße oben reizt meinen Aktionsradius schon aus und muß genügen.
Die Inselfauna hat wenig Berührungsängste. Ein Arbeiter wurde unlängst, glaubt man den Gerüchten, von einer Schlange gekillt, im Hinterland des Resorts
hocken Käutzchen und Hornbills in den Bäumen. Der angefütterte Affe wird wohl bald einen Stein kassieren, bewarf er uns doch mit zunehmender Dreistigkeit
erst mit den Schalen der ihm dargereichten Bananen, beim letzten mal schon Aeows Schwester mit einer Kokosnuss.
Wie immer, wenn ich nicht an Arbeits- oder Öffnungszeiten gebunden bin, stellt sich vermehrte Nachtaktivität ein. Dann lese ich, für Party bin ich
meistens zu alt. Verschwende einen Tag und eine Nacht an ein Machwerk mit Namen Der Insektensammler, von Travelex aus Bosheit oder Anspruchslosigkeit empfohlen,
werde vielfach entschädigt durch den grandiosen Reisepoeten Andreas Altmann, von Travelex ebenfalls vor ein paar Wochen zurückgelassen.
Die Volleyball-Profis mit ihrem Netz und Bällen sind weitergezogen, jetzt spiele ich ab und zu mit Thais. Die haben zwar nicht viel Ahnung, aber sehr viel
Spass.
Ein elektronischer Abend in der Siam Disco lässt sich nicht vermeiden. Aeow kommt mit einer Flasche Tequila und ist in Feierlaune. Der Fusel schmeckt noch
genauso ekelhaft wie vor gefühlten zehn Jahren, als ich mich das letzte mal zu ihm habe hinreissen lassen, der folgende Tag nur verschwitzte Apathie. Billard
mit einer unlängst hier gestrandeten Barbesitzerin aus Koh Samui. Hat alles verkauft und um den Erlös hier investiert, ich bin der einzige Gast. Spielen kann
sie erwartungsgemäß. Die zwei erledigten Tische hat sie mitgebracht und kennt deren spezielle Topographie. Nebenan muß ein versklavter Makake in Ketten Kokosnüsse ernten.
Nichts rührt sich im Gecko-Ei.

Dienstag, 7. Januar 2020

7.1., Koh Phayam

Heute reist die Gefährtin ab, viel zu früh. Als ob das Kapital nicht ein Weilchen ohne sie auskommen könnte. Setzt sich ins Speedboot, ein Thai in zerrissenem Shirt und Schlapfen drückt den Hebel runter und weg ist sie. Früher, als alle noch mit dem Slowboat fuhren, konnte man sich noch auf ein Bier zum Hafenwirten setzen, auf den Steg zurückkommen und zum Abschied weiterwinken, jetzt fetzen die Abreisenden wie auf Kanonenkugeln gen Horizont. Da deren Seele nach neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnissen so schnell gar nicht mitkommen kann, sitzen sie dann entseelt daheim, ärgern sich, wenn wer bei der Millionenshow gewinnt, und wundern sich.
Während Ena also nach Bangkok hetzt, um sich noch schnell Anzüge, Blusen und andere Berufskostümierung schneidern zu lassen, gilt es für mich, zur Wahrung meines ausgeglichenen monetären Haushalts downzusizen. Das ist ein sehr modernes Wort und jeder, der es nicht versteht, ist hoffnungslos altmodisch und darüber hinaus tendentiell unmäßig. Ab jetzt nur mehr kaltes Wasser in einer billigeren Hütte weiter hinten am Areal und statt dem ferrariroten Luxusmoped der letzten
Tage die abgefackte Dschungelgurke von Cha, bei der ich in bester Rallyemanier bergab gleichzeitig bremsen und Gas geben muss, damit der Motor nicht abstirbt und es mich in dann finsterster Finsternis der finsteren Nacht nicht auf die Gosche haut. 
Wässrige, wie mein Sparbuch einlagenlose Suppe esse ich, damit ich länger etwas von ihr habe, fortan nur mehr mit Stäbchen und erhole mich entsprechend langsam vom bisherigen, doch an mir gezehrt habenden Dasein als ausgehaltener Toy Boy.
Ich gehe segeln mit Rüdiger, dessen Name keinen Zweifel an seiner Herkunft lässt, und Peter aus Stockholm. Der schlüpft noch in eine Art wattierte Kochschürze mit Karabinern und Schnallen dran, um sich später irgendwo einzuhaken und sich dann auf einem der jetzt aus dem Wasser ragenden Rümpfe des Katamarans weit hinauszulehnen, während ich wie einst ein Fass Sauerkraut, gegen Skorbut bei den stinkenden Seefahrern eingelagert, orientierungslos an Deck herumrolle und die Wellen über mich hereinbrechen. Da wird es auch bei über dreißig Grad Hitze kalt bei Fahrtwind im Schatten des großen Segels. Kurz vor Koh Chang, ich sehe schon das beschlagene Dosenbier der Strandwirte in der Sonne blitzen, drehen wir um. Für Rüdiger, Besitzer des Bootes und im Brotberuf Segellehrer am Bodensee, ist nur der Weg das Ziel.
Vom Meer aus sehe ich auch die beschnittene Hippiebar, ein Schatten ihrer selbst. Der aus Schwemmholz aufwendig einem Schiffsrumpf nachempfundene Aufbau wurde angeblich vom Chef persönlich abgerissen, der zunehmende Andrang von gaffenden und fotografierenden Touris sei ihm auf die Nerven gegangen. Jetzt stechen nur mehr die Kinderverbotstafeln ins Auge. So jedenfalls wurde mir die Geschichte von einem österreichischen Pärchen beim Volleyball spielen erzählt, noch nicht verifizierter Insel-Gossip. Mehr passiert heute nicht, auch mein Gecko-Ei verhält sich unauffällig.
 
6.1., Koh Phayam

Ein Obstteller voller paradiesisch süßer Früchte, Eier und Gemüse mit selbstgebackenem Brot für uns, eine Kokosnuss für den mittlerweile schon recht unverschämten Affen am Dach, die er mit seinen Zähnen abschält wie unsereins vielleicht einen Pfirsich. Der hominide Homie hat zwar nur ein paar Zahnräder in der Birne am Laufen, aber dafür reichlich Kraft im Kiefer.
Die Süße und ich setzen die gestrige Erkundungstour fort. Ein glänzend neuer, sicher zehn Meter hoher Bau mit überdachter Plattform, auf die man sich im Falle eines weiteren
Tsunamis retten soll. Ein dieselbetriebenes Kraftwerk, das seit kurzem die gesamte Insel durchgehend mit teurem Strom versorgt, ein schlaues Wasserreservoir zur Vermeidung von Engpässen während der Trockenheit hinter der Big Tree Road. Die frisch gerodeten Flächen für geplante Kautschuk-Monokulturen müssen fortan wohl auch bewässert werden.
Kleine Seeadler ziehen ihre Kreise über uns, die wir mittlerweile in der naheliegend Eagle Bar benannten Hütte hoch oben am Hügel Einkehr machen und mit Dr. Alban im Ohr und Blick auf das kleine, recht schäbige Dorf der Sea Gipsies am äußersten Rand der Insel einen Mangosaft schlürfen, allumfassender Müßiggang. 
Vor dem Abendessen darf es dann ein Bloody Mary im Middle Village sein, ein Tip der sich auf der Insel wahnsinnig gut auskennenden Berlinerin Cecilia. Eine mit einem Thai-Rasta liierte Russin kredenzt den göttlichen Tomatensprit mit sauren Gurkensticks und mysteriösen Blättern dazu im Krug, Roggenbrot und nach russischer Sitte eingelegte Karotten und Sauerkraut hat sie auch im Angebot.
Frisbee schmeissen am Long Beach bis zum Sonnenuntergang, ein rotes Curry im Resort.
Wer möchte so etwas lesen, während ihm daheim die
Frostbeulen aufplatzen? Ich entschuldige mich dafür, ihr Deppen. Solange ich nichts Interessanteres zu berichten habe, werde ich, während ich auf Phayam weile, nur mehr fallweise posten.