Samstag, 24. Oktober 2026

 23. 10., von Hajeb El Ayun nach Tunis und La Marsa

Der Ami erzählt noch vom letzten Erdbeben in Kolumbien und davon, dass er keine Homies im Exil hat, dann reiße ich ab. 

So wie bei uns Bäume, pflanzt man in Tunesien über Kilometer Kakteenalleen entlang der Straße. Dass alle Pflanzen restlos vertrocknet sind, zeigt das Ausmaß der derzeitigen Dürre. 

Transporter, übervoll beladen mit Fenchel und Rüben sind unterwegs, aber die talentiertesten Hoch- und Querstapler sind bei den Strohfuhren am Werk. Kamelschädel mit heraushängender Zunge oder frisch abgezogene Felle, die vor Häusern hängen, zeigen an, wo gerade frisch geschlachtet wurde.

Viertausend Kilometer gefahren, den Reifendruck könnte ich mal kontrollieren. An der Wand der Tanke hängt ein Kasten, wo man einen Wert eingeben kann, die Luftzufuhr erfolgt dann automatisch. Aber bezeichnet der Wert die Menge an zugeführter Luft oder den Reifendruck nach Befüllung? Ein Berber mit kariertem Tuch um den Kopf und sehr schlechten Zähnen, auch hier zum Boxenstopp, möchte mir helfen, hat aber auch keinen Tau. Er lässt Luft ab, pumpt wieder was nach, eineinhalb Bar, zweieinhalb Bar, verbrennt sich trotz Warnung am heißen Auspuff, lässt wieder etwas ab. Sicher hat er selbst erst kürzlich ein Kamel gegen sein Peugeot-Moped eingetauscht. Irgendwann fahre ich, das hätte ich mir sparen können. 

Je näher ich Tunis komme, desto chaotischer wird der Verkehr. In Kreisverkehren geparkte Lastwagen, verstaute Ortschaften wegen stattfindender Viehmärkte, alle Tiere auf Pickups in zweiter Spur verladen. Die Gegend bleibt im Landesinneren im Gegensatz zur Küste recht schön bis ganz nahe zur Stadt hin, karge, aber gepflegte Kulturlandschaft. Die Randbezirke präsentieren sich dann erwartungsgemäß räudig, ähnlich wie bei uns Transdanubien oder Simmering. Noch mehr Polizei und Militär als sonst lungert an den Kreuzungen herum. In Tunis und mehreren anderen Städten ist es zu schweren Zusammenstößen gekommen, nachdem ein Mann in Polizeigewahrsam gestorben ist. Außerdem protestiert man gegen die Wirtschaftskrise, den Präsidenten und überhaupt. 

Ich checke ein im schon erprobten Hotel, bekomme zufällig oder mit Kalkül mein altes Zimmer und fahre gleich weiter nach La Marsa im Norden, ein kleines, entspanntes Nest am Meer. An den Ampeln dorthin betteln die einzigen Schwarzafrikaner, die ich bis dato in Tunesien gesehen habe, wahrscheinlich gestrandet am Weg nach Europa. 

28 Grad, makelloser Sandstrand, auch das Wasser ist noch gut besucht. Manche Männer tragen ein Jasminblümchen hinter dem Ohr, links, wenn single, rechts, wenn vergeben. Hier könnte ich sogar ein Bier trinken! Allerdings nur versteckt an irgendeiner Hotelbar, was mir dann doch zu blöd ist. 


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