15,10., von Neapel nach Santa Maria
Im Morgengrauen lasse ich Neapel hinter mir. Nicht, dass ich schon all seine zehntausend Pizzerias und alle fünfhundert Kirchen gesehen hätte, aber für einen Überblick reicht´s. Soeben ist die Sonne aufgegangen und heute wird´s ein richtig schöner Tag, obwohl ab und zu tiefe Lacken und deswegen noch immer gesperrte Straßen an den großen Regen erinnern.
Absurd lange muss ich mich plagen, bis ich endlich raus aus der Stadt bin. Auf erhöhten Trassen fahre ich über ein Meer von Glashäusern, auch ganze Ortschaften passiere ich so. Die Landschaft ist großartig. Durch Wälder und über Berge geht´s dahin, Brücken spannen sich über tiefe Täler. Inmitten von Farnlandschaft sind Ortschaften in den Fels gebaut, graue Häuser und Kirchen und ganz oben immer die Überreste von Festungen, wie gemalt. Serpentinen schlängeln sich durch die Gegend, Spaßpartie.
Zurück an der Küste münden die Flüsse im Meer und Salerno entzückt. Den Hang weit unter mir liegt der große, aber überraschend ordentlich und sauber aussehende Industriehafen mit großen Containerlagern, Kränen und allem was dazu gehört, in den Felswänden über mir alte, geziegelte Aquädukte und Eisenbahnbögen und noch höher die Ruinen einer alten Festung. In der Ferne ein paar Wolkenkratzer, Inseln und das glitzernde Meer. Eine Strandpromenade gibt´s auch und Parks, scheinbar eine sehr adrette Stadt.
Ein Unfall mit einem böse havarierten Moped erinnert mich daran, dass es keinen Grund zur Eile gibt. Da bleibe ich doch gleich stehen und trinke einen Lungo und keinen Cappuccino, weil es mittlerweile schon nach Elf ist und ich ansonsten als Tourist erkannt werden würde! Na no na, was für ein Blödsinn. Lungo schmeckt auch nicht, viel zu stark.
Überland ist dann plötzlich ein Handschuh weg, noooo. Zurück ohne Hoffnung, aber nach ein paar Kilometern liegt er da im Dreck und wartet auf mich und ich freue mich wahnsinnig. Ich könnte niemals ein guter Buddhist werden. Ich liebe und hänge nämlich viel zu sehr an meinen irdischen Besitztümern.
Wof wird laut. Soll sein, so lange motorisch alles schnurrt. Ab jetzt also immer die Ohrstöpsel reindrehen, wenn längere Strecken geplant sind. Entweder haben sich einige Kubikkugeln aus dem Fluxkompensator gelöst oder die kleinen Glühbirnen der Vergaserinnenbeleuchtung brummen, leider eine häufige Fehlerquelle bei den chinesischen Rollermodellen. Dafür hat die Mopette ein bisschen mehr Pep als zu Beginn, kommt mir vor, vielleicht bin das aber auch nur ich selbst.
Benzina ist schon wieder aus auf den Tankstellen, und die Autos, die vor denen warten, die noch welches haben, stauen sich bis auf die Fahrbahn und behindern massiv den Verkehr. Vier Tankstellen muss ich anfahren, bis endlich ein paar Liter für mich abfallen, che cazzo! Mein Zimmer, das ich kurz vor Sechs erreiche, liegt am Berg mit Meerblick und das Entzücken hält an.
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