Dienstag, 13. Oktober 2026

 13.10., Neapel, Vesuv, Herculaneum

Das Moped gibt´s noch. Unversehrt und mit offenem Top Case wartet Wof auf seinen Einsatz. Offenes Top Case deswegen, damit kein Kleinkrimineller es erst aufbrechen muss, nur um festzustellen, dass es bei Stefsechef, best traveller of se world und Dauerbrokie, nichts zu holen gibt. 

Raus aus der Stadt und dann den Vesuv hoch, eine großartige Fahrt in luftige Höhen mit Aussicht über Neapel und das Meer. Oben rangieren die Busse inmitten frustrierter, frierender Individualisten, die auf ihre Handys starren. Die auf normalem Weg online zu kaufenden Tickets sind für Wochen ausgebucht, aber alle zehn Minuten werden theoretisch noch zehn weitere Karten freigegeben. Dazu muss man sich zwingend in das sehr schwache örtliche Netz einwählen, muss sich erst registrieren, dann einen Account erstellen und danach diesen freischalten, um schließlich zur Kenntnis nehmen zu müssen, dass dieser Dreck bei niemandem der Anwesenden funktioniert, auch nach mehrmaligen Versuchen nicht. Ein einfaches Kassahüttel ist zu viel verlangt von diesen Bunga Bunga-Primaten, die sich an neuer Technologie versuchen, die sie nicht verstehen. Neandertaler, die auf gut Glück Knöpfe in einem Raumschiff drücken, teleportiert von einer launischen Göttin. Einmal mehr entlarvt sich Italien als Entwicklungsland mitten in Europa, falling down. 

Anyway, wir verlassen schon bald diesen Schauplatz der staatlichen Unzulänglichkeit. Der Umstand, dass wir ohnehin mit unserem Scheitern gerechnet haben, macht das Ganze erträglich. Immer bergab und dann ein Stückchen rechts, dort, wo 79 nach Christus die Lava hingeflossen ist, besuchen wir die erstaunlich gut erhaltenen Ruinen von Herculaneum, einem kleinen Dorf an der Küste, das damals innerhalb von Minuten von einer Schlamm- und Gerölllawine begraben wurde. Kleiner zwar als Pompeji, aber entspannter, übersichtlicher und reicher im Detail. Mehrgeschossige Häuser mit prächtigen Mosaiken, Brunnen und Altären, verkohlte Holzkonstruktionen, Betten und Kästchen, gut erhaltenen Vorratskammern mit eingemauerten Amphoren, Wandmalereien, sogar ein ganzes Boot ist noch erhalten. Zum Meer hin fand man in mehreren Bootshäusern zahlreiche, heute noch unverändert zu besichtigende Skelette von Menschen, die sich mit ihren wertvollsten Habseligkeiten hier verschanzten, nur um innerhalb von Sekunden vom pyroklastischem Strom von falscher Hoffnung und dem irdischen Dasein überhaupt befreit zu werden. Was blieb, sind Knochen, Schmuck, Münzen und sonstiger Tand. 

Dann heim und ziellos herumstreifen. Wanted! Plakate von Trump und Netanjahu, gesucht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Noch mehr monumentale Gebäude und Tore, auf großen Plätzen völlig freistehende, verwahrloste Wohnhäuser, alte Gefängnisse. Wir essen Arancini, frittierte Reisbällchen mit Zeug, und Frittatini, frittierte Nudelbällchen mit Zeug. Napoli spielt gegen Villarreal, flächendeckender Ausnahmezustand.


1 Kommentar:

Schlitzwoif hat gesagt…

Hahaha Die Situation am Vesuv kenn ich! Wir haben vorher online die Tickets gebucht. Aus irgendeinem Grund haben wir ein Ticket für den Burli bezahlt obwohl er wegen des Alters nichts zahlen hätten müssen. Das war ein Grund uns den Zutritt zu verweigern. Vom versifften Häusl will ich gar nicht reden wo man sich eine halbe Stunde anstellen muss und dafür auch noch zahlen sollte.