Freitag, 16. Oktober 2026

 


16.10., von Santa Maria nach St. Agatha Militello

Na da schau her, hier gibt´s sogar echtes, zivilisiertes Frühstück mit Brot und Eiern und Wurst und Käse anstatt des landesüblichen gastronomischen Desasters in Form von verpacktem Industriesüsszeugs. Nachhaltig gestärkt nehme ich gleich einen zugewachsenen und anfangs auch zugeschissenen, steilen Weg in Angriff, der mit einem Auto unmöglich zu befahren gewesen wäre, um so zur nächsten Bundesstraße zu gelangen. Was das Navi oft so aus dem Ärmel zaubert, der Wahnsinn.

Schwere dunkle Wolken hängen über mir, bis ich den Fährhafen erreiche, aber sie sind nicht das größte Problem heute. Wof macht schrecklich laute, metallisch röhrende Geräusche, später dominiert geschwindigkeits- aber nicht drehzahlabhängiges Schleifen und Rasseln. Ich krieche am Boden herum und rüttle an mir unbekannten Teilen, leuchte die Mopette von unten aus und kann einfach nichts finden. Der Defekt muss also in den Eingeweiden stecken, im Antrieb, irgendwelchen Lagern, Riemen, Stangen, Ketten. Ich befürchte Schlimmstes, das Internetz ist ein grausamer Ort für Hilfesuchende. Vielleicht ist ja die Antriebskette gedehnt und schleift im Gehäuse? KI meint, Wheel of fortune hätte einen Riemen. Anyway, morgen geht die Fähre und die will ich nicht verpassen. Also vorerst weiter fahren. Ab vierzig, fünfzig km/h lässt der Lärm etwas nach. In Tunesien werde ich das Moped dann in eine Werkstatt stellen und um maximal fünf Euro reparieren lassen, so der ausgereifte Plan.

Irgendwie hätte ich mit einer Brücke gerechnet zwischen Kalabrien und Sizilien, aber die drei Kilometer Distanz werden noch ganz altmodisch mit Fähren bezwungen. Tickets kann man am Hafen allerdings keine kaufen. Ein Mitarbeiter schickt mich dafür zur nächsten Trafik in der Stadt, mich wundert nichts mehr. 

Auch in Sizilien warten tolle Strecken. In den Felsen gehauene, exponierte Straßen, runde, grobe Tunnel mit schlechter oder gar keiner Beleuchtung, Ziegen auf der Fahrbahn, Kopfsteinpflaster in Haarnadelkurven. Aber die Leichtigkeit ist weg. Immer lausche ich angestrengt auf die Geräusche, gebe nur mehr verhalten Gas - bis ich auf einmal gar nichts mehr höre! Alles plötzlich so, wie es immer war, nur mehr die üblichen Fahrgeräusche. Ähhh? Wie kann das sein? Hat sich irgendein automatischer Spanner doch noch in den Dienst gestellt? Wurde etwas weggeschmirgelt, ist etwas abgefallen? Filtert und löscht mein Hirn im Selbsterhaltungstrieb störende Elemente? Ehrlich, es könnte mir für den Moment wurster nicht sein. 

Das Kaff mit der billigsten Hütte heute heißt Militello. Eine der zwei auf Wiki gelisteten Sehenswürdigkeiten, ein Schloß aus dem achtzehnten Jahrhundert, schaue ich mir gnadenhalber an, damit ich mir noch etwas die Beine vertrete, und kaufe mir ein paar suprige Kaktusfrüchte. Der Grund des grassierenden Treibstoffmangels liegt übrigens in der Blockade einer großen Raffinierie von Streikenden, die gegen die hohen Preise demonstrieren, lässt mich Travelex von daheim wissen. Einmal muss ich noch tanken, dann setze ich mich ab.


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