12.10., Neapel
Ein Tag der Kultur. Zunächst erkunden wir den Untergrund der Stadt, auch weil das Wetter schlecht ist. Vierzig Meter steigen wir unter Straßenniveau hinab in unterirdische Steinbrüche der Griechen, die hier vor mehr als zweitausend Jahren Tuffstein für die Stadtmauer und ihre Tempel abgebaut haben. Die Römer haben ein paar hundert Jahre später unterirdische Aquädukte angelegt. Die stockfinsteren Verbindungsschächte zwischen den Haupttunnels sind so schmal, daß wir uns seitlich gehend über weite Distanzen durchschleifen müssen und nur Ena muss dabei den Kopf nicht einziehen. Das Wasser plätschert in die Wasserbecken der Zisternen und Affen- und Vogelschreie von mir hallen durch die Hallen.
Später diente diese Unterwelt den Neapolitanern als Luftschutzbunker. Die Stadt wurde zuerst von den Deutschen und dann von den Alliierten bombardiert, ehe gegen Ende des Krieges die Einwohner die Nazis im Zuge eines Aufstandes innerhalb von vier Tagen selbst loswerden konnten.
Durch eine ehemalige Privatwohnung und eine versteckte Treppe latschen wir noch hinab zu den Resten des römischen Amphitheaters, das ebenfalls tief unter der heutigen Stadt liegt.
Stefsechef, inoffizieller Kulturattaché der Donaurepublik, saugt diese historischen Monumente und Ereignisse gierig in sich ein und hat noch lange nicht genug. Gleich anschließend nötigt er seine schon raunzende Betreuerin noch zu einer Stadttour, diesmal über der Erde, nachdem er sie mit einem Aperol Sprizz gefügig machen konnte.
Gegen den Straßenlärm anschreiend führt uns Carmen tapfer durch den Moloch und muß dabei selbst vor neu errichteten Baustellenabsperrungen kapitulieren. Kirchen mit Blutampullen von prähistorischen Heiligen, die sich regelmäßig verflüssigen und der Stadt so Glück bescheren, auch Haare Maradonas werden aufbewahrt. Mit prächtigen Glasdächern überspannte Einkaufspassagen bestaunen wir und den Piazza del Plebiscito, wo früher im Rahmen von Volksfesten arme Schlucker auf ein Startzeichen hin auf einen Berg Nahrung losgelassen wurden, zum Gaudium des Adels. Über Paläste referiert die Führerin und über das Teatro san Carlo, in dem der damals schon weltweit gefeierte Sohn der Stadt, Enrico Caruso dereinst sang, ausgebuht wurde und sich daraufhin schwor, nur mehr in seine Stadt zu kommen um Pasta zu essen. A propos, die Pizza Margherita wurde ums Eck kreiert, zu Ehren Margheritas von Savoyen. Patriotisch in den Nationalfarben gehalten mit grünem Basilikum, weißem Mozzarella und roten Tomaten und Enas Hauptnahrungsmittel hier, garantiert ohne Knoblauch und ohne Zwiebel.
Für mich gibt´s heute gebackene Zucchiniblüten, nachdem wir uns noch die schönste U-Bahnstation Europas geben, oben tröpfelt es schon wieder. Und weil wir schon hier sind, treiben wir uns heute in einem etwas rustikaleren Viertel der Stadt herum, ehe uns der Regen heimspült.
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