Mittwoch, 14. Oktober 2026

 14.10., Neapel, Pozzuoli, Bacoli

Wir cruisen zu den phlegräischen Feldern, sozusagen zum Ausgleich für die Niederlage am Vesuv. Die ganze Region westlich von Neapel ist ein aktiver Supervulkan, der, wenn es soweit ist, unvorstellbare Verwüstungen zumindest über Italien bringen wird. Der Boden hier senkt und hebt sich alle paar Jahrzehnte um ein paar Meter und das letzte kleine Erdbeben ist erst knapp drei Monate her, aber der Krater der Solvatara,  einem Vulkan von vielen hier, ist nicht wirklich spannend. Von Weitem sehen wir auf einer grauen, von steilen Wänden umgebenen Ebene ein paar Spalten, aus denen Rauch austritt, weswegen es in der ganzen Stadt nach faulen Eiern riecht. Das Gelände ist gesperrt, nachdem vor Jahren eine Familie im freigegebenen Areal umkam, nachdem der Sohn in eine dieser Spalten gerutscht war. 

Ansonsten jede Menge alte Steine auch hier. Für das drittgrößte Amphitheater Italiens bleiben wir nicht einmal mehr stehen. Runde Tempel, Marktplätze mit Marmorsäulen, Stadttore. Alte Steine hinter jeder dritten Kurve! Wer hier etwas bauen will, das Grabungen notwendig macht, kann gleich Konkurs anmelden. 

An der Landspitze vor Ischia geben wir uns am Strand bei Italo-Hits dem dolce far niente hin, wenn wir uns auch nicht mit Bierschaum einreiben, wie einer der anderen Badegäste. 

Zurück im Quartier lässt man uns per offiziellem Aushang wissen, dass es in unserer Unterkunft eine erhöhte Gefahr von Salmonellenbefall gibt, na super. Bis wir auschecken, werden wir als erste und letzte Sicherheitsmaßnahme beim Duschen die Luft anhalten, um uns nicht mit der Legionärskrankheit anzusandeln. 

Auch heute lassen wir den Zufall entscheiden, wo in der Altstadt wir essen gehen, ich Rapini, das ist Grünzeug, das nach Mandeln schmeckt und scharf ist, und Ena Nudeln mit Tomatensauce, ich hab´s schon aufgegeben. 

Übrigens zahlen noch immer die meisten Läden Neapels das Pizzo, das Schutzgeld der Camorra, aber das ist eine andere Geschichte. Noch schnell einen Sprizz, dann bringe ich die Süße zum Flughafen. Seit sie damals in Marokko auf einem Wochenmarkt heimtückisch mit Obstschalen beworfen wurde, ist sie es leid, gegen das nordafrikanische Patriarchat anzukämpfen, wir werden uns in zwei Wochen in Catania wiedersehen. 

Der Wahnsinn auf Neapels Straßen erreicht eine neue Qualität, wenn Stoßzeit ist, jede Oma mit ihrem Einkaufswagerl fährt dann beherzter, waghalsiger, geistesgestörter als ich. Die vorgegebenen Richtungen von Kreisverkehren und Einbahnen sind dann schon fast wurscht und auch die roten Ampeln, man weicht auf Gehsteige aus und presst und zwickt und drängelt und schneidet rein. Ist anstrengend, macht aber auch Spaß. Ab morgen muß auch ich wieder Vollgas geben, damit ich´s noch rechtzeitig zur Fähre nach Tunis schaffe, die legt am Samstag von Palermo ab.


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