Sonntag, 25. Oktober 2026

 25.10., von Tunis nach Palermo

Allerhand unbeleuchtete Fahrzeuge am Weg zum Hafen in La Goulette. Ein Kind schleppt einen Holzkarren voll mit großen Säcken mitten am Zubringer zur Stadtautobahn, wahrscheinlich gesammelte Plastikflaschen. In La Goulette wurde dereinst, wie ich aus für gewöhnlich zuverlässiger Quelle erfahren habe, Claudia Cardinale geboren, da konnte sie bequem zu Fuß zur Fähre gehen und übersetzen, um in Italiens Showbiz durchzustarten. Brauche ich gar nicht. Mir würde es schon reichen, heute von hier ohne großes Trara zurück nach Europa schippern zu können. 

Ich solle mich beeilen, go,go!, das Gate 13 würde gleich schließen, sagt mir der Typ beim Check In- Schalter auf der Straße! Wie meinen? Es sind noch über vier Stunden bis zur Abfahrt? Vier italienischen Bikern und mir wird drauf hin abgesondert von den angestellten Autos eine bizarre Spezialabfertigung zuteil. Über das ganze Hafengelände verteilt müssen wir auf Anweisung diverser Uniformierter und Ziviler bei mehreren Bürocontainern und Entscheidungsträgern vorstellig werden, müssen die Fahrzeugpapiere, das Einreiseformular, die internationale Versicherung, den Pass herzeigen, immer und immer wieder. Das Ticket wird mehrmals gescannt, der Pass wird so oft kontrolliert und mit Stempeln versehen, dass ich es aufgebe, mitzuzählen. Handschriftliche Notizen werden auf Formularen niedergeschrieben. Im Prinzip wiederholen sich die gleichen Abläufe immer und immer wieder, nur durch andere Beamte und in anderer Reihenfolge. Dann überholen wir auf einer separaten Spur alle anderen und fahren auf die Fähre. Alles eine undurchschaubare Farce zur Aufrechterhaltung des aufgeblähten Beamtenapparates.

Erleichtert sediere ich mich umgehend und schlafe drei Stunden im Sitzen mit dem Kopf auf der Tischplatte und dann noch vier Stunden auf dem Fliesenboden des Salons, die Motorradjacke unter mir. Viel später legt das Schiff im Hafen von Palermo an, und als nach mehr als einer halben Stunde noch immer keine Bewegung in die Fahrgäste kommt, frage ich einmal nach. Die Fähre fährt noch weiter nach Salerno, es wäre eh alles über Lautsprecher durchgesagt worden! Schnell, schnell raus mit mir, bevor die Luken hochgeklappt werden, aaahhhh! Natürlich wurde etwas durchgesagt, den ganzen Tag lang wurde irgend etwas durchgesagt. Hätte babylonisch oder altmesopotamisch oder tierischen Ursprungs sein können, in solch schlechtem Zustand befindet sich die Lautsprecheranlage.

Buon giorno, what can I do for you?, frage ich den Bullen oder Zöllner, der mich nötigt, vor einem Container anzuhalten, make my job! schlägt er vor. Keine zwei Minuten dauern die Formalitäten und draußen die Straßen wirken alle sehr sauber und der Verkehr überhaupt nicht mehr chaotisch. Palermo empfängt mich mit Regen, meinetwegen. Später esse ich pani ca meusa an der Straße, ein Milzbrötchen mit gekochter Lunge und Luftröhre, untermalt mit einem Bier und wunderbarer Elektromucke. Die verehrte Kundschaft wird per Aushang gebeten, nicht anzufragen, ob die Musik lauter gedreht werden kann. Dann lustwandle ich noch ein bisschen durch die grandiose Altstadt, aber ehrlich, ich bin sogar vom Nichtstun total erledigt.


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