27.10., von Palermo nach Trapani
Raus aus der Stadt und immer ganz nahe am Meer nach Westen. Bis Ena am Freitag in Catania dazu stößt, bleibt noch Zeit für eine Inselumrundung. Blumen werden verkauft und Fische, letztere ganz unprätentiös in Styroporkisten am Boden stehend, der Fang der letzten Nacht. Nach Mondello begibt sich die Palermitanerin, wenn ihr nach Baden ist und hier fiel der Wiener, der gestern an der Tour teilgenommen hat, vor seiner Holden auf die Knie, wissend, dass er den üblichen afghanischen Brautpreis in astronomischer Höhe niemals nicht aufbringen wird können.
Erst lange nach dem Flughafen und schon inmitten ländlicher Idylle steht das Palermo-Ende-Schild und alle paar Kilometer ein Wachturm aus unterschiedlichsten Epochen gegen Angriffe von Piraten und Korsaren. Dazwischen hocken Bunkeranlagen neueren Datums.
Heute cruise ich zum ersten Mal mit Musik im Ohr, geht aber nur mit dem kleinen Pro Forma-Helm mit Markennamen Grab, da hätte man sich schon etwas Lebensbejahenderes einfallen lassen können. Über die Schönheit schroffer Küsten wurde sicher schon alles gesagt, womit ich mir weitere Ausführungen sparen kann. An einem Platz mit Bänken rund um ein überdimensionales Vorhängeschloss halte ich, Zona Romantica - Obligatorio Baciarsi. Hier ist Küssen obligatorisch. Über und über mit Früchten behangene Kakteenfelder und kleine Naturschutzreservate. Ausgewiesene Schildkröteneiablagegebiete, verfallene Häuser und Industrieanlagen. Eigentlich ist ganz Sizilien ein perfekter, naturbelassener einsamer Sandstrand. Und Sackgassen gibt es, so viele Sackgassen. Wäre Ena dabei, meine Nieren wären schon blau von ihren Handkantenschlägen in die offene Flanke. Sie kann Sackgassen nicht leiden.
Noch fünfzig Kilometer Umweg nach San Vito Lo Capo, ein Kap ganz oben im Norden. Dort setze ich mich auf ein Bunkerschwammerl am Strand und esse ein Ciabatta mit Käse. Gleich daneben steht ein Leuchtturm und im Ortsgebiet noch eine Wehrkirche, gebaut wie eine Festung. Alle Berghänge rundum sind gezeichnet vom Marmorabbau. Die Luftlinie zwischen Palermo und Trapani beträgt keine hundert Kilometer, trotzdem geht die Sonne schon unter, als ich mein altehrwürdiges Zimmer inmitten einer Fußgängerzone beziehe.
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