30.10., von Aragona nach Catania
Ein Tag ganz nach meinem Geschmack. Keine zweihundert Kilometer durchs Landesinnere nach Catania stehen an, wo Ena nachmittags ankommen wird. Nicht nur, weil sie mir frische Leibwäsche mitbringen wird, freue ich mich.
Die Gegend ist ganz erquicklich. Immer schön hügelig ist gleich kurvig, aber außer einer eingestürzten Brücke und weitläufigen Orangenhainen kommt mir nichts unter, das einer eingehenderen Inspektion bedarf.
Alle fahren wie gewohnt wie die gesengten Säue, sogar die Bauern. Vor Delia schließe ich auf zu einem Typen auf einem kleinen Traktor mit Mähwerk hinten dran, beschleunigt der Agrarhonk doch von zwanzig auf über fünfzig km/h, als er mich bemerkt. Er könnte ganz gemütlich etwas nach rechts hin Platz machen, aber er zieht es vor, mit ausgeschlagener Lenkung Vollstoff zu geben, wobei es ihn auf seinem Sitz hin und her schleudert. Zu viel Espresso, der Arme, oder zu wenig Löcher im Käse. Irgendwann driftet er ab in die Pampa, wahrscheinlich zur Spaghettiernte. (siehe TV- Bericht der BBC, 1957)
Die Vermieterin schickt mir schon die genauen Infos von der heutigen Unterkunft, letzter Stock, Zimmer Nr. 1, lu mo cori. Mein Herz, spuckt der Übersetzer aus, ein Kosewort für Menschen, die man liebt. Aha, ist hier wohl genau so ungezwungen in Verwendung wie My love in Nordengland oder Irland, denke ich mir und beende auch meine Antwort entsprechend. Lu mi cori sei der Zimmername, lässt sie mich wissen, upsi!
Trotz Generalstreiks und landesweiter Proteste, höchster Flugwarnstufe, weil der Ätna gerade massiv Asche spuckt, und dem generellen Mysterium, das die bemannte Luftfahrt umgibt, landet Ena unbeschadet und pünktlich. Einchecken, Lasagne, Aperol, schlafen. Morgen kommt der Rest der Partie und alle werden aus dem letzten Loch pfeifen, nur Vodoo nicht, der hackelt noch weniger als ich. Der Vulkan lockt und Lavagrotten auf zweitausend Metern mit ewiger Eisfüllung, auch die Strände im Osten und Syrakus im Süden, aber ich nehme an, der Themenschwerpunkt der nächsten Tage wird ein anderer sein.
Wird sich Stefsechef dem Gruppendruck beugen und sich ebenfalls dem Suff und dem Kartenspiel hingeben, obwohl er dem Tarocksport ohnehin schon viele Nettomonate seines Lebens gewidmet hat? Oder wird er, se best traveller of se known and unknown world, weiterhin unermüdlich die Fremde erforschen im Zeichen von Anstand und Stil? Ihr werdet es erfahren, aber in ersterem Falle vielleicht erst am Mittwoch, wenn er die Heimreise antritt und es wieder Nennenswertes zu berichten gibt.
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